Heliosphäre Sonnensystem hat länglichen Schutzschild
Sie sind die Marathonläufer unter den Raumsonden: Als "Voyager 2" am 20. August 1977 ins All startete und seine baugleiche Schwestersonde "Voyager 1" am 5. September folgte, ahnte niemand, wie lange die Zwillinge sich im All halten würden. In den ersten zwölf Jahren besuchten die Weltraumreisenden vier Planeten und 48 Monde, funkten spektakuläre Bilder vom Großen Roten Fleck des Jupiter, den filigranen Ringen des Saturn sowie vom Gasgiganten Uranus und Neptun zur Erde - und funktionieren noch immer.
Inzwischen haben sich die beiden Sonden dem äußeren Rand des Sonnensystems genähert, der Grenze zwischen der Heliosphäre und dem interstellaren Weltraum. Die Heliosphäre ist eine Art Kokon, den die Sonne um das Planetensystem legt und es damit vor der kosmischen Strahlung abschirmt. An seinem Rand, der die treffende Bezeichnung "Termination Shock" trägt, stoßen die von der Sonne permanent ausgestrahlten geladenen Teilchen - der Sonnenwind - auf geladene Partikel aus dem interstellaren Raum und werden abrupt abgebremst.
Wissenschaftler vermuten schon lange, dass die Heliosphäre nicht wie eine Kugel, sondern eher wie ein Ei geformt ist. Die beiden "Voyager"-Sonden könnten die alte Frage nun beantworten. "Voyager 1" hat die Grenze des Schutzschilds vor kurzem erreicht und wird voraussichtlich 20 Milliarden Kilometer von der Sonne entfernt in den interstellaren Raum vorstoßen.
"Voyager 2" aber, die auf einem anderen Kurs unterwegs ist, hat den Grenzbereich an einer anderen Stelle erreicht - und wird schon in knapp 17 Milliarden Kilometern Entfernung von der Sonne den tiefen Weltraum erreichen. Forscher des California Institute of Technology schließen daraus, dass die Heliosphäre tatsächlich nicht rund ist, sondern eher die langgezogene Form eines Kometen hat, der mit einem Schweif an der Sonne vorbeifliegt.
Die Form der schützenden Blase hängt nach Meinung des leitenden "Voyager"-Wissenschaftlers Ed Stone davon ab, welcher Druck von außen ausgeübt wird - etwa durch Form und Verteilung interstellarer Gase.
Es gibt aber auch noch einen anderen Erklärungsansatz, der zu einer ganz neuen Erkenntnis führen könnte. Walter Cruttenden vom Binary Research Institute in Kalifornien glaubt, dass die Gase in der Umgebung des Sonnensystems ziemlich gleichförmig verteilt sind. Die Form der Heliosphäre rühre deshalb vielmehr von der Flugbahn des Sonnensystems durch den lokalen Raum ab.
Vielleicht können die "Voyager"-Sonden zur endgültigen Beantwortung der Frage beitragen, denn Weltraumschrott sind sie noch lange nicht: Die beteiligten Wissenschaftler glauben, dass die Zwillinge noch mehrere Jahrzehnte lang wertvolle Daten zur Erde funken könnten.
mbe