Helix-Nebel: Überlebende der Apokalypse - DER SPIEGEL
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Helix-Nebel Überlebende der Apokalypse

Vor langer Zeit hat im Sternbild Wassermann ein Stern seine Hülle abgestoßen und den bizarren Helix-Nebel zurückgelassen. Das gewaltige Schauspiel hätte eigentlich alles in der Nähe des Sterns vernichten müssen. Doch etwas hat überlebt.
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Wie ein dämonisches Auge leuchtet der Helix-Nebel in den Tiefen des Alls. In seiner Mitte schlummert eine Sternenleiche, das abkühlende Überbleibsel eines Roten Riesen. Der Nebel, von Astronomen auch unter der Bezeichnung NGC 7293 geführt, gehört zu den am meisten fotografierten Objekten am Nachthimmel. Jetzt haben Forscher mit Hilfe des "Spitzer"-Weltraumteleskops ein neues, beeindruckendes Bild geschossen: Es zeigt, wie Kometen-Kollisionen den toten Stern im Zentrum von NGC 7293 mit Staub umhüllt.

"Wir waren überrascht, so viel Staub in der Umgebung des Sterns zu sehen", sagte Kate Su von der University of Arizona in Tucson. "Er muss von Kometen stammen, die den Tod ihres Heimatsterns überlebt haben." Die Wissenschaftler schildern die Ergebnisse ihrer Beobachtungen in einem Fachartikel, der am 1. März in den "Astrophysical Journal Letters" erscheinen soll.

Der Helix-Nebel liegt etwa 700 Lichtjahre von der Erde entfernt im Sternbild Wassermann. Er ist entstanden, als ein Stern, der unserer Sonne ähnelte, starb und seine Hülle abstieß. Zurück blieb der heiße Kern, ein sogenannter Weißer Zwerg. Noch lange danach heizt der Kern das von ihm ausgeworfene Material auf und lässt es in leuchtenden Farben fluoreszieren. Das Schauspiel ist jedoch nur von kurzer Dauer - zumindest nach kosmischen Maßstäben. In etwa 10.000 Jahren wird der Nebel verblassen; der Weiße Zwerg kühlt langsam ab.

Staubige Überraschung

Astronomen studieren den Weißen Zwerg im Zentrum des Helix-Nebels schon seit langem, haben aber nach Angaben der US-Raumfahrtbehörde Nasa bisher noch nie Staub in seiner Nähe entdeckt. Die Infrarotsensoren des "Spitzer"-Teleskops haben nun das Glühen einer Staubscheibe aufgefangen, die den Weißen Zwerg in einem Abstand von 35 bis 150 Astronomischen Einheiten umkreist. Eine Astronomische Einheit entspricht dem Abstand zwischen Erde und Sonne von rund 150 Millionen Kilometern.

Die Forscher wollten zunächst ihren eigenen Daten nicht trauen: Sie waren davon ausgegangen, dass der sterbende Riese allen Staub in der Nähe des Sterns weggefegt hätte. Nun stellt sich die Frage, woher er kommt. Su und ihre Kollegen vermuten, dass miteinander kollidierende Kometen neuen Staub in der Nähe des Weißen Zwergs freigesetzt haben.

Vor einigen Millionen Jahren, als der Stern noch in seinen besten Zeiten war und unserer Sonne ähnelte, wurde er der Theorie zufolge von Kometen - und möglicherweise auch von Planeten - auf stabilen Umlaufbahnen umkreist. Doch dann blähte sich der Stern zu einem Roten Riesen auf. Die inneren Planeten wurden gegrillt oder gleich ganz verschluckt, die äußeren flogen wenig später aus ihren Bahnen.

Röntgenstrahlen-Rätsel vielleicht gelöst

Die "Spitzer"-Daten könnten nun ein Rätsel lösen, das den Helix-Nebel umgibt. Der Weiße Zwerg sendet hochenergetische Röntgenstrahlung aus, obwohl er trotz seiner Temperatur von rund 110.000 Grad Celsius dafür eigentlich nicht heiß genug ist. You-Hua Chu von der University of Illinois in Urbana-Champaign, ein Mitglied von Sus Team, bietet nun eine Erklärung an: Material aus der Staubscheibe könnte auf den Weißen Zwerg fallen und so die Röntgenstrahlen-Ausbrüche auslösen.

Es war nicht das erste Mal, dass das "Spitzer"-Teleskop Kometen im Orbit um einen toten Stern entdeckt hat. Im Januar 2006 spürte es ebenfalls eine Staubscheibe um einen Weißen Zwerg auf, allerdings in einem Abstand von nur 0,005 bis 0,03 Astronomischen Einheiten. "Hinweise auf planetare Aktivität um einen Weißen Zwerg sind eine Überraschung", kommentierte George Rieke, einer von Sus Kollegen. "Sie zweimal zu finden, noch dazu mit derart unterschiedlichen Eigenschaften, ist ein Schock."

Wirklich Schockierendes wird sich auf der Erde übrigens in etwa fünf Milliarden Jahren ereignen - wenn unsere Sonne das gleiche Schicksal ereilt wie den Stern, dessen Leiche heute im Zentrum des Helix-Nebels liegt. Denn auch die Sonne wird irgendwann zuerst ein machtvoller Roter Riese werden, der alles Leben auf Erden verbrennt. Die Sonne wird ihr Planetensystem vernichten und als erkaltender Winzling die staubigen Reste beleuchten.

mbe

Korrektur: In diesem Text war ursprünglich die Rede von einer Supernova, in deren Folge der Helixnebel entstanden sei. Richtig ist jedoch, dass es sich dabei um die abkühlenden Überbleibsel eines Roten Riesen handelt.

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