Hubble-Entdeckung: Doppelstern zeichnet Spinnennetz - DER SPIEGEL
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Hubble-Entdeckung Doppelstern zeichnet Spinnennetz

Astronomen gelang ein spektakulärer Schnappschuss: Ein Sternenpaar, 2300 Lichtjahre von der Erde entfernt, schleudert heiße Materie in einem gewaltigen Spinnennetz aus Gas von sich.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Im Alten Testament träumte Isaaks Sohn Jakob von einer Leiter, die von der Erde bis in den Himmel reicht. Auf ihr sollen Gottes Engel auf- und niedergestiegen sein. Zwar konnten Forscher eine solche Himmelsleiter noch niemals beobachten, doch immerhin gelang jetzt mit Hilfe des Hubble-Teleskops die Aufnahme einer Leiter am Himmel.

Das Foto zeigt den Nebel "Red Rectangle" (Rotes Rechteck), der 2300 Lichtjahre von der Erde entfernt ist und unter der Bezeichnung HD 44179 katalogisiert wurde. "Red Rectangle" war bei einem Raketenflug in den siebziger Jahren entdeckt worden, der der Suche nach starken Infrarotquellen diente.

Auf den neuen Details, die auf den aktuellen Hubble-Bildern sichtbar sind, erscheint "Red Rectangle" nicht als rechteckiger Nebel, sondern als riesige X-förmige Struktur. Astronomen interpretieren die vom Zentrum ausgehenden Nebelarme als Gas- und Staub-Ausbrüche mit zwei genau entgegen gesetzten Richtungen.

Besonders fasziniert zeigten sich die Wissenschaftler um Martin Cohen von der University of California von den vielen kleinen Sprossen, die den X-förmigen Nebel wie eine Leiter oder ein Spinnennetz erscheinen lassen - was zuvor noch nie an einem Himmelsobjekt beobachtet werden konnte. Die Astronomen glauben, dass die Stufen in Wahrheit Ringe von Materie sind, die aus seitlichem Blickwinkel jedoch wie dünne Streifen aussehen. 1981 hatte der niederländische Forscher Vincent Icke ein Modell für sterbende Sterne entwickelt und konische Ausbrüche vorhergesagt, die den bei "Red Rectangle" beobachteten Strukturen gleichen.

Der Stern in der Mitte des Nebels führte hunderttausende von Jahren ein ähnliches Leben wie unsere Sonne. Er nähert sich jedoch dem Ende seiner Existenz: Vor etwa 14.000 Jahren begann die Bildung der äußeren Schichten, schätzen die Astronomen. In einigen tausend Jahren dürfte der Stern immer kleiner werden und sich aufheizen. Dabei wird ultraviolettes Licht in den umgebenden Nebel abgestrahlt. Das Gas darin beginnt dann zu leuchten, Astronomen sprechen von einem planetaren Nebel.

Wie eine genaue Analyse der Hubble-Bilder ergab, handelt es sich bei dem Stern im Zentrum von "Red Rectangle" sogar um einen Doppelstern. Das Paar rotiert in zehneinhalb Monaten einmal umeinander und ist von einer flachen Staubscheibe umgeben, die wahrscheinlich durch die Wechselwirkung der beiden Sonnen entstanden ist. Wegen der dichten Staubscheibe sind die Sterne nicht direkt zu sehen. Nur das Licht, das senkrecht zu der Scheibe austritt und von Staub gestreut wird, erreicht das Hubble-Teleskop.

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