ISS: Reiters Kraftakt im All - DER SPIEGEL
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ISS Reiters Kraftakt im All

Es war eine höllisch schwere Arbeit an einem himmlischen Ort: Als erster Astronaut der europäischen Raumfahrtbehörde Esa verließ der Deutsche Thomas Reiter für Außenreparaturen die Internationale Raumstation ISS.
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Oberpfaffenhofen - Scheinbar kopfüber hängen die beiden Astronauten im All. In ihren dicken Anzügen sind Thomas Reiter und sein amerikanischer Kollege Jeffrey Williams kaum voneinander zu unterscheiden. Ihre Bewegungen erscheinen unendlich langsam. Rund fünf Stunden dauerte Reiters Einsatz – eine Stunde weniger als erwartet.

Reiter und Williams mussten bei ihrem Außeneinsatz unter anderem Instrumente und Experimente installieren sowie die Kühlung der ISS warten, die in 400 Kilometern Höhe die Erde umkreist. "Man steckt in einem aufgepumpten Anzug, muss sich gegen den Druck bewegen und dabei noch filigran arbeiten", erklärt Volker Schmid, der beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) für bemannte Raumfahrt und ISS-Nutzung zuständig ist. "Sie können sich das so vorstellen, als ob Sie permanent gegen den Schlauch eines Autoreifens drücken müssten." Damit sich die Astronauten überhaupt noch bewegen könnten, werde der Anzug mit weniger als der Hälfte des Drucks aufgepumpt, der auf der Erdoberfläche herrsche, sagt Schmid. Um die Astronauten in so dünner Atmosphäre nicht ersticken zu lassen, ist der Anzug nicht mit Luft, sondern mit reinem Sauerstoff gefüllt.

Ein weiteres Problem bei Außenspaziergängen ist, dass die Astronauten in der Schwerelosigkeit keinen festen Stand haben. "Es gilt Aktion gegengleich Reaktion", erklärt Schmid. Man müsse sich immer irgendwo festhalten, um die Kräfte zu kompensieren, die man beispielsweise brauche, um eine Schraube anzuziehen.

Die Gefahren eines Weltraumspaziergangs schätzt er eher gering ein. Zwar könne es passieren, dass ein Astronaut bei Außenarbeiten abrutsche und abdrifte, dagegen sei er aber mit einer Leine gesichert. Selbst wenn die versage, könne sich mit einem Raketenrucksack zur Raumstation zurückbewegen. Gegen die kosmische Strahlung und kleinere Teilchen wie Staub oder Mikrometeoriten werde Reiter durch seinen Anzug geschützt. Größere Teilchen könnten diesen zwar durchdringen, mit einem solchen zusammenzustoßen sei aber äußerst unwahrscheinlich.

In Oberpfaffenhofen sind während des Außeneinsatzes nicht einmal alle Plätze in den Kontrollräumen besetzt. Die Mission wird von der US-Raumfahrtbehörde NASA in Houston koordiniert. In Bayern werde am Donnerstag nichts gemacht, sagt Dieter Sabath von der DLR. "Die Experimente werden dann aber wieder von uns koordiniert." Mit seinem Außenspaziergang bereitete Reiter die Kühlung der ISS unter anderem auf deren Ausbau vor. An ihr mussten außerdem Leitungen ausgetauscht werden, die vom atomaren Sauerstoff angegriffen würden, der in der dünnen Restatmosphäre vorherrsche, die die ISS umgebe, erklärt Volker Schmid. Auf der Erde liegt Sauerstoff üblicherweise in seiner weniger aggressiven, molekularen Form vor.

Dominik Rühmair, AP