ISS-Terminplan Start von Astronaut Reiter verschiebt sich
Paris/Moskau - Die erhöhten Sicherheitsvorkehrungen der Nasa bei der Wiederaufnahme der Shuttle-Flüge bringen den Fahrplan zum Aufbau der Internationalen Raumstation ISS durcheinander. Betroffen ist unter anderem auch der Langzeitbesuch des deutschen Astronauten Thomas Reiter. Ursprünglich sollte er im Juli mit der Fähre "Atlantis" starten. Weil die Nasa jedoch den für Mai geplanten Start von "Discovery" auf den Zeitraum 13. bis 31. Juli verschoben hat, wird sich auch die "Atlantis"-Mission verzögern.
Reiter solle weiterhin wie geplant mit dem zweiten US-Shuttle fliegen, sagte eine Sprecherin der Europäischen Weltraumorganisation Esa heute in Paris. Voraussichtlich werde der Start im September erfolgen.
Reiter soll als erster europäischer Raumfahrer für einen Langzeitaufenthalt zur ISS fliegen. Geplant ist ein Aufenthalt von sieben Monaten. Reiter wird auch der erste Deutsche an Bord der ISS sein. Wegen der Sicherheitsauflagen der Amerikaner dürfte Reiter kaum vor September abheben.
Die Nasa hatte festgelegt, dass die ersten beiden Starts, also auch der von Reiter in der "Atlantis", bei Tageslicht stattfinden müssen. Die ISS muss dabei das Startgelände bei Cape Canaveral in Florida im Blick haben, um etwaige Auffälligkeiten filmen und auswerten zu können. Bei der "Columbia"-Fähre hatte ein Stück Isolierschaum beim Start Kacheln an der Fähre beschädigt. Dies führte beim Landeanflug am 1. Februar 2003 zur tödlichen Katastrophe - die Fähre brach in großer Höhe auseinander, alle Besatzungsmitglieder starben.
Sollte die "Discovery" im neuen Zeitfenster vom 13. bis 31. Juli nicht starten können, kämen wegen der strikten Sicherheitsauflagen erst wieder die beiden Wochen vom 9. bis 24. September in Frage.
Die Russen trifft die erneute Verzögerung besonders hart. Sie hatten fest mit dem pünktlichen "Discovery"-Neustart gerechnet, denn ohne die US-Raumfähren ist die Festigstellung der ISS nicht möglich. Auch Westeuropas Hauptbeitrag, das milliardenschwere Forschungsmodul "Columbus", wäre an den Boden genagelt.
Auf die Frage, was denn passiere, sollten die US-Raumfähren, die 2010 außer Dienst gestellt werden, überhaupt nicht mehr abheben, sagte der russische Raumfahrtagenturchef Anatoli Perminow: "Ich mag mir das gar nicht ausmalen."
Russlands bemannte Raumfahrt steht und fällt mit der ISS. Die kleinen, engen "Sojus"-Kapseln sind nur für den Pendelverkehr Erde-Station ausgelegt, und die automatischen "Progress"-Frachter können nur das Nötigste für die bisherige amerikanisch-russische Zwei-Mann-Minimalbesatzung in die Umlaufbahn bringen.
Russland hat ein neues, sechssitziges Raumschiff namens "Clipper" in Vorbereitung, für dessen Fertigstellung allerdings noch einige hundert Millionen Euro fehlen. Die Esa will schon im kommenden Jahr einen großen automatischen Frachter zur ISS schicken. Beide Raumfahrzeuge wären prinzipiell in der Lage, zusammen mit den althergebrachten "Sojus"- und "Progress"-Schiffen die Station wie einmal geplant zu betreiben, sind aber noch nicht verfügbar.