ISS Verlorener Bolzen im Orbit
Auf der Erde gab es ständig Probleme mit der US-Raumfähre "Atlantis". Fünf verschiedene Gründe hielten sie ein ums andere Mal vom Starten ab, darunter ein Blitzeinschlag und ein Defekt an einem Treibstoffsensor. Seit die "Atlantis" im All ist und an die Internationale Raumstation (ISS) angedockt hat, läuft hingegen alles nach Plan. Fast zumindest.
"Da fehlt ein Bolzen auf der Abdeckung", funkte der kanadische Astronaut Steve MacLean rund eine Stunde nach Beginn des zweiten Außeneinsatzes, der für die Atlantis-Crew auf dem Plan stand, zum Kontrollzentrum nach Houston. Bereits bei den ersten Außenarbeiten am Dienstag ging ein Bolzen verloren, er wurde nicht mehr gefunden. Auch das nun entschwebte Teil tauchte nicht wieder auf.
Das Metallstück sei bei Montagearbeiten am zweiten Sonnensegel der ISS verschwunden, teilte die US-Raumfahrtbehörde mit. "Es gibt keinerlei Anhaltspunkte, dass sich der Bolzen im Rotationssystem der Sonnensegel oder in der ISS befindet", sagte ein Nasa-Sprecher. "Wir gehen davon aus, dass er davongeschwebt ist." Von beiden nun fehlenden Teilen gehe aber keine Gefahr aus.
Es ist nicht ungewöhnlich, dass Astronauten bei ihrer Arbeit im All immer wieder einmal Gegenstände verlieren. Allerdings ist solcher Weltraumschrott eine potenzielle Gefahr für die Raumfahrer sowie für die Systeme der ISS ebenso wie der Raumfähre "Atlantis".
Die Astronauten Dan Burbank und Steve MacLean erlebten bei ihrem Einsatz noch weitere kleine Pannen: MacLean zerbrach eines seiner Werkzeuge. Bevor dessen Einzelteile in die Weiten des Alls davonfliegen konnten, bekam der Astronaut sie noch rechtzeitig zu fassen. Außerdem klemmte eine Schraube. Sie zu lösen gelang den beiden Astronauten nur mit vereinten Kräften.
Schrauben entfernt, Drehgelenk des Sonnensegels getestet
Burbank und MacLean sollten im zweiten Weltraumspaziergang der Mission die zwei neuen Sonnensegel, die von ihren Kollegen des ersten Außeneinsatzes an die ISS angebracht worden waren, für den künftigen Dauerbetrieb vorbereiten. Während ihres Einsatzes arbeiteten sie vorwiegend an einem drei Meter großen Drehgelenk, das die Sonnensegel während des Flugs der ISS zur Sonne hin ausrichtet. Die beiden Astronauten mussten unter schwierigen Bedingungen 22 Halterungen und Arretierungen sowie die Schutzverkleidung über dem Drehgelenk entfernen, die für den sicheren Transport des Bauteils von der Erde zur ISS angebracht worden waren.
Sechseinhalb Stunden waren für den Außenbordeinsatz eingeplant. Die beiden Astronauten waren aber schneller fertig und erledigten deswegen schon Arbeiten, die eigentlich für den dritten und letzten Außenbordeinsatz am morgigen Freitag vorgesehen waren. Nach sieben Stunden und elf Minuten waren Burbank und MacLean mit dem Werkeln fertig.
Nun wird getestet, ob sich das Gelenk wie geplant um 360 Grad in beide Richtungen drehen lässt, damit sich die riesigen Segel immer nach der Sonne ausrichten können. Dafür sind rund zwölf Stunden vorgesehen. Die Sonnensegel sollen am morgigen Donnerstag entfaltet werden. Damit verdoppelt sich die derzeitige Energieversorgung auf der Internationalen Raumstation ISS.
Am Sonntagmorgen soll die Raumfähre von der ISS abkoppeln und ihren Rückweg zur Erde antreten. Dort wird sie am 20. September erwartet, dem Mittwoch kommender Woche.
fba/AFP/dpa/rtr