Jupiter: "Cassini" ergründet Streifen und Ringe - DER SPIEGEL
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Jupiter "Cassini" ergründet Streifen und Ringe

Nach einigen Umwegen fliegt "Cassini" derzeit auf direktem Weg zum Saturn. Doch schon bei einem Zwischenstopp am Jupiter konnte die Raumsonde ihre Leistungsfähigkeit eindrucksvoll unter Beweis stellen.
Von Alexander Stirn
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Eigentlich hat "Cassini" ja ein ganz anderes Ziel, den Saturn. Doch wie das so ist bei Dienstreisen, besonders bei längeren, wird unterwegs der eine oder andere Punkt gern zusätzlich angesteuert - besonders wenn er auf der Reiseroute liegt. Bei der Saturn-Sonde "Cassini", die im Juli 2004 den Ringplaneten erreichen soll, führte fast kein Weg am Jupiter vorbei. Nicht nur, weil das Raumschiff dort noch einmal Schwung für die lange Reise zum Saturn holen sollte. Vielmehr, weil bei Astronomen detaillierte Daten über die Gasmassen des Jupiters immer willkommen sind.Zwar lieferte "Cassini" beim Vorbeiflug Ende 2000 nicht ganz so brillante Bilder wie zuvor die speziell für die Jupiter-Naherkundung ausgerüsteten Sonden "Voyager" und "Galileo", aber schließlich passierte das Vehikel den Gasplaneten auch in einer Entfernung von stattlichen 9,7 Millionen Kilometern. Die dabei zur Erde gefunkten Bilder zeigen dennoch Strukturen bis hinunter zu einer Größe von 60 Kilometern. Erste wissenschaftliche Auswertungen der Aufnahmen hat ein internationales Forscherteam nun in der Fachzeitschrift "Science" veröffentlicht. Dabei kam den Astronomen die relativ große Entfernung zwischen Sonde und Planet durchaus zugute. Weitgehend ungestört vom Gravitationsfeld des Jupiters und deshalb mit eher geruhsamem Tempo konnte "Cassini" den Gasriesen sechs Monate lang ununterbrochen fotografieren - rund 26.000 Bilder entstanden. Die daraus resultierenden Zeitrafferfilme haben dem Team um Carolyn Porco vom Southwest Research Institute in Boulder (US-Bundesstaat Colorado) nun neue Einblicke in die Entstehung des planetaren Wetters, der hellen und dunklen Bänder auf der Jupiter-Oberfläche und der dünnen Ringe des Gasplaneten geliefert.

Möglicherweise kann mit den neuen Bildern eine Frage endgültig geklärt werden: Wie sind die Schlieren und Wirbel in der Jupiter-Atmosphäre entstanden? Denn "Cassini" konnte bislang unbekannte Phänomene auf Film festhalten. So entdeckte die Sonde einen dunklen ovalen Fleck auf der Nordhalbkugel, etwa so groß wie der bekannte Große Rote Fleck nahe des Jupiter-Äquators. Im Laufe der Monate wurde die neue Struktur immer größer, heller und begann schließlich im Uhrzeigersinn zu rotieren - entgegen den sonstigen Gepflogenheiten auf dem Planeten. Der Fleck entstand genau an der Stelle, an der helle Nordlichter - ähnlich den Polarlichtern auf der Erde - den Jupiter treffen. Zudem konnten die Astronomen feststellen, dass die dünnen, von der Erde aus kaum sichtbaren Ringe des Jupiters, wie anhand von "Galileo"-Aufnahmen bereits vermutet, tatsächlich von seinen Monden gespeist werden: Schlagen Meteoriten auf der Oberfläche von Mini-Trabanten wie Metis und Adrastea ein, werden Staubpartikel aufgewirbelt. Die Folge sind Ringe, die rund um den Planeten entstehen.In den Augen der beteiligten Wissenschaftler war das "Cassini"-Rendezvous mit Jupiter ein "riesiger Erfolg" - besonders für einen Zwischenstopp. Allerdings: Das eigentliche Ziel, den Saturn, haben weder Sonde noch Astronomen aus den Augen verloren. Und verglichen mit dem Jupiter dürfte es beim weit entfernten Ringplaneten, so die Hoffnung der Wissenschaftler, deutlich mehr Geheimnisse zu entdecken geben.

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