Kosmischer Dreck: Astronomen fangen Sternenstaub ein - DER SPIEGEL
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Kosmischer Dreck Astronomen fangen Sternenstaub ein

Erstmals ist es Forschern gelungen, Sternenstaub aus dem Weltraum jenseits unseres Sonnensystems im Labor zu analysieren. Die winzigen Körnchen könnten helfen, die Geheimnisse der Sternentstehung zu lüften.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Bislang war er nicht mehr als ein kleiner Ausschlag in den Messkurven von Astronomen: Sternenstaub. Zusammengesetzt aus winzigen Silikatkörnern, unterscheidet er sich optisch kaum von dem steinigen Staub auf der Erde. Am Himmel ist der kosmische Dreck - zumindest fernab des Lichts der Städte - als dunkles Band über der Milchstraße zu sehen.

Fällt das von den Körnchen reflektierte Licht in die Messgeräte der Forscher, lassen sich Rückschlüsse auf die Natur der staubigen Teilchen ziehen. Die so genannte Spektraluntersuchung kann allerdings die handfeste Beobachtung nicht ersetzen.

"Seit Jahrzehnten versuchen Astronomen, mit ihren Teleskopen mehr über Sternenstaub zu erfahren", sagt Scott Messenger von der Washington University in St. Louis. "Doch sie hatten nie zu träumen gewagt, eines Tages ein solches Korn aus der Nähe betrachten zu können."

Der stellare Staub entsteht den Theorien der Astronomen zufolge, wenn Sterne sterben und ihre Materie in einer gewaltigen Explosion ins All schleudern. Gleichzeitig gelten die Staubwolken als Kristallisationskeime für die Bildung neuer Sterne - auch unser Sonnensystem könnte daraus entstanden sein. In ursprünglicher Form sollten die Körner aus der Frühzeit des Universums noch in uralten Asteroiden und Kometen konserviert sein.

Genau dieser Nachweis ist einer Gruppe von US-Astronomen um Scott Messenger nun gelungen. Wie die Forscher in der Online-Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "Science" berichten, entdeckten sie die außerirdischen Körner in kleinen Kometenfragmenten, die von Flugzeugen in 20 Kilometern Höhe eingefangen wurden.

Aus den interplanetaren Klümpchen, die aus mehr als 100.000 Körnchen bestehen, konnten die Astronomen einzelne stellare Staubkörner identifizieren - mit einer neuen, extrem empfindlichen Methode. Dabei suchten sie im kosmischen Dreck nach zwei verschiedenen Sauerstoff-Varianten, deren Verhältnis Auskunft über die Herkunft des Staubs geben kann.

Genauere Untersuchungen von Chemie und Mikrostruktur der Körner sollen nun helfen, mehr über deren Entstehung und die dabei vorherrschenden Bedingungen zu erfahren. "Der Raum zwischen den Sternen spielt eine wichtige Rolle bei der Formation neuer Sterne", sagt Messenger, "und nur mit den jetzt entdeckten Proben können wir wirklich mehr darüber lernen."

Alexander Stirn