Krummes Licht Kosmische Lupe findet Planeten
Er ist etwa anderthalb Mal so groß wie Jupiter und umkreist eine Sonne im Sternbild Sagittarius, 17.000 Lichtjahre von der Erde entfernt. Entdeckt werden konnte der Planet nur, weil er zusammen mit seiner Sonne wie eine Lupe das Licht eines mit 24.000 Lichtjahren noch weiter entfernten Sterns verstärkte. Eine Planeten-Entdeckung außerhalb unseres Sonnensystems ist auf diesem Weg noch nie zuvor gelungen.
Die Methode des "gravitational microlensing" geht zurück auf Albert Einsteins Relativitätstheorie: Die Schwerkraft eines Sterns oder Planeten verbiegt und bündelt das Licht eines weiteren, dahinter gelegenen Sterns. Anhand der Krümmung des Lichts lassen sich indirekt Position und Größe der Himmelskörper berechnen, die den Lupeneffekt auslösen. Möglich ist das nur, wenn alle beteiligten Sterne und Planeten eine Linie bilden.
Mehr als 100 riesenhafte Gasplaneten sind bislang außerhalb unseres Sonnensystems gefunden worden. Sie verrieten sich durch die Taumelbewegung, die sie mit ihrer Schwerkraft ihrem Stern aufzwingen. Die Beobachtung kleinerer Planeten aber war auf diese Art nicht möglich. "Die Entdeckung eines Planeten mit der Masse des Jupiters im Orbit eines unserer Sonne ähnlichen Sterns ist ein immens wichtiger Schritt auf der Suche nach extrasolaren Planeten", erklärte Nasa-Wissenschaftler Philippe Crane.
Der Premiere des "gravitational microlensing" ging eine internationale Zusammenarbeit voraus: Das polnisch-amerikanische Projekt "Optical Gravitational Lens Experiment" (OGLE) am Las Campanas Obersavatorium in Chile und das japanisch-neuseeländische Projekt "Microlensing Observations in Astrophysics" (MOA) am Mt John Observatory in Neuseeland belieferten sich mit Informationen.
"Die Zeitfenster, um Sterne in einer solchen Reihe einzufangen, sind sehr kurz", erklärt OGLE-Teamleiter Andrzej Udalski - im aktuellen Fall nur ein paar Tage. Dafür lässt sich das verstärkte Licht mit relativ einfachen Mitteln einfangen. Sogar gut ausgerüstete Hobby-Astronomen können bei der Beobachtung helfen.
Besonders gefreut über die Entdeckung hat sich Bohdan Paczynski von der Princeton University in New Jersey. Er hatte 1986 als erster vorgeschlagen, dunkle Materie mittels "gravitational microlensing" zu suchen. 1991 kam er dann zusammen mit seinem Mitarbeiter Shude Mao auf die Idee, auch extrasolare Planeten auf diesem Weg zu erspähen. "Ich bin begeistert, dass unsere Idee Wirklichkeit geworden ist", sagte der Forscher. Er ist sich sicher, dass mit dieser Methode auch bald Planeten von der Größe der Erde entdeckt werden.