Mars Forscher hoffen auf Asteroiden-Einschlag
Erst glaubten Astronomen der US-Raumfahrtbehörde Nasa, dass Asteroid 2007 WD5 kaum Chancen habe, den Mars zu treffen; sie bezifferten die Wahrscheinlichkeit eines Einschlags auf dem Roten Planeten nur auf 1:350 . Neue Beobachtungen zwangen sie, die Wahrscheinlichkeit für einen spektakulären Crash zu korrigieren. Mittlerweile gehen Nasa-Astronomen davon aus, dass die Chance bei 1:28 steht, 2007 WD5 also mit einer Wahrscheinlichkeit von 3,6 Prozent auf dem Mars einschlagen wird. Der Asteroid wurde Ende November im Zuge des Near Earth Object Program entdeckt, einem Überwachungsprojekt der Nasa, dass erdnahe und möglicherweise gefährliche Objekte identifizieren soll.
Für Astronomen wäre es eine einmalige Gelegenheit, einen Asteroiden-Einschlag auf einem Planeten aus nächster Nähe zu beobachten. Zwei Sonden kämen dafür infrage: der "Mars Reconnaissance Orbiter" der Nasa und die europäische "Mars Express".
Auch den ungefähren Ort des möglichen Aufschlags glauben die Astronomen schon ausfindig gemacht zu haben: In der Nähe des Äquators könnte 2007 WD5 den Mars treffen. Dort fährt seit 2004 auch der Nasa-Rover "Opportunity" herum. Gefahr, dass der Rover bei einem möglichen Crash zerstört würde, besteht allerdings nicht - 2007 WD5 werde, wenn überhaupt, nördlich des Rovers einschlagen, teilte die Nasa mit.
Der etwa 50 Meter große Asteroid fliegt mit einer Geschwindigkeit von 44.900 Kilometern pro Stunde durch das All. Er ist zwar nicht sehr groß, aber dass selbst kleinere Asteroiden mitunter eine verheerende Wirkung haben können, haben US-Wissenschaftler erst kürzlich in neuen Simulationen gezeigt. Was passieren wird, wenn 2007 WD5 den Mars trifft - davon haben Nasa-Astronomen schon eine ungefähre Vorstellung. Der Einschlagskrater dürfte ungefähr so groß werden wie der berühmte Meteoriten-Krater in Arizona, auch Barringer-Krater genannt. Dieser hat einen Durchmesser von mehr als einem Kilometer, ist etwa 170 Meter tief und entstand vor rund 50.000 Jahren. Mark Boslough, Experte für Kollisions-Dynamik des Sandia National Laboratory im US-Bundesstaat New Mexico rechnet auch damit, dass 2007 WD5 schon in der Atmosphäre zerbrechen könnte und dann mehrere Krater reißen würde. Boslough verweist darauf, dass die Atmosphäre des Mars der der Erde in einer Höhe von 20 Kilometern ähnele.
Außerdem würde der Einschlag eine große und gut sichtbare Staubfahne verursachen, die hoch in die Mars-Atmosphäre reichen werde, meint Boslough. Planetenforscher Gerhard Neukum von der FU Berlin, der für die hochauflösende HRSC-Kamera an Bord von "Mars Express" verantwortlich ist, sieht sogar die Chance, dass der Mars-Rover "Opportunity" die Staubfahne fotografieren könnte - "vorausgesetzt, der Asteroid schlägt nicht zu weit von 'Opportunity' entfernt ein", wie Neukum im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE sagte.
Live-Beobachtung des Einschlags ist unwahrscheinlich
Werden Astronomen das Spektakel ähnlich verfolgen können wie 1994 den Einschlag des Kometen Shoemaker/Levy9 auf dem Planeten Jupiter? Damals hatte die Raumsonde "Galileo" spektakuläre Bilder von den einschlagenden Kometenfragmenten gemacht.
Gerhard Neukum ist skeptisch. "Es ist sehr unwahrscheinlich, dass man den Einschlag live wird beobachten können", sagte Neukum. Es komme darauf an, ob der Asteroid auf der Tages- oder Nachtseite des Mars aufschlage. "Das werden wir erst kurz vor dem möglichen Einschlag wissen." Da aber 2007 WD5 aus Richtung der Sonne komme, sehe es eher danach aus, dass der Asteroid auf der Sonnenseite einschlagen werde - und dann wäre er laut Neukum nicht mit der Sonde "Mars Express" zu sehen. Doch sollte es zu einem Crash bei Nacht kommen, könnte man allenfalls den Lichtblitz fotografieren, meint Neukum. Der Planetenforscher und sein Team bereiten sich auf einen möglichen Einschlag des Asteroiden vor. "In den Tagen danach würden wir mit der HRSC-Kamera der Raumsonde 'Mars Express" von dem Krater Fotos machen."
Auch die Nasa bereitet sich auf das mögliche Spektakel vor: "Wenn der Asteroid den Mars trifft, werden wir einige Tage danach einen großartigen Blick auf den Krater haben", sagte Alfred McEwen vom Lunar and Planetary Laboratory im US-Bundesstaat Arizona im Gespräch mit Space.com . Er ist der leitende Forscher der hochauflösenden Kamera von "Mars Reconnaissance Orbiter". Die Kamera kann Objekte von nur einem Meter Größe fotografieren.
Bei der europäischen Raumfahrtbehörde Esa ist laut Markus Landgraf, Missionsanalytiker, derzeit noch nichts in Planung, um den möglichen Asteroiden-Crash zu beobachten. "Wir sind aber in der Lage, kurzfristig Änderungen in der 'Mars-Express'-Mission vorzunehmen und den Asteroiden-Krater zu fotografieren."
Viel Aufregung um einen kleinen Asteroiden, der eventuell unseren Nachbarn treffen könnte. "Es sind zwar nur vier Prozent Einschlagswahrscheinlichkeit", sagt Neukum. "Was glauben Sie, was hier los wäre, wenn es um die Erde ginge?"
Mit Material von AP