"Mars Polar Lander" Verschollene Sonde angeblich gefunden
1999 war das annus horribilis für die Marsforschung der Nasa: Im September raste der "Mars Climate Orbiter" beim Anflug auf den Roten Planeten in sein Verderben, und nur drei Monate später musste die US-Raumfahrtbehörde den Verlust des "Mars Polar Lander" melden. Während beim "Climate Orbiter" der Grund des Scheiterns schnell feststand - es handelte sich um einen peinlichen Rechenfehler - konnte die Nasa über die Gründe des "Polar Lander"-Crashs nur spekulieren. Der Landeanflug der Sonde habe zunächst funktioniert, hieß es, bis die Software die Bremsraketen zu früh abgeschaltet habe. Die Sonde sei aus einer Höhe von rund 40 Metern auf die Marsoberfläche gefallen.
Jetzt scheint sich herauszustellen, dass die Nasa mit dieser Vermutung Recht hatte. Fünfeinhalb Jahre nach dem Verschwinden des "Polar Lander" haben Wissenschaftler jetzt offenbar die Trümmer der Raumsonde entdeckt. Die Spuren seien auf alten Aufnahmen des Nasa-Orbiters "Mars Global Surveyor" entdeckt worden, sagte Michael Malin, dessen Unternehmen Malin Space Science Systems (MSSS) die Kamera der Sonde betreibt.
Verräterische Strukturen entdeckt
In einem Artikel für die Zeitschrift "Sky & Telescope" erklärt Malin, man habe bereits im Jahr 2000 den Verdacht gehabt, dass die auf den Bildern sichtbaren Strukturen die Überreste des "Mars Polar Lander" sein könnten. Dabei handelte es sich um einen länglichen, hellen Umriss - vermutlich des Fallschirms - und den von den Bremsraketen veränderten dunklen Bereich mit einem kleinen, hellen Fleck in der Mitte - der "Polar Lander".
Allerdings, so Malin, habe damals ein schlüssiger Beweis gefehlt. Erst der Vergleich mit Aufnahmen von den Landestellen der beiden Mars-Rover "Spirit" und "Opportunity" habe nun Klarheit geschaffen. So seien die Fallschirme der Landegeräte aus den Jahren 1999 und 2004 aus ähnlichem Material gefertigt, dessen Helligkeit anhand des Sonnenwinkels bestimmbar sei. Der Vergleich habe eine klare Übereinstimmung ergeben, betont Malin. Auch der Helligkeitsunterschied zwischen dem Marsboden und den Rückstoßspuren der Bremsraketen sei an den verschiedenen Landeplätzen ähnlich.
Sollten die Strukturen auf den Bildern tatsächlich die Wrackteile des "Polar Lander" zeigen, habe die Nasa mit ihrer Analyse zur Absturzursache wohl richtig gelegen, meint Malin. "Der Sinkflug verlief mehr oder weniger nach Plan, da der Fallschirm abgeworfen wurde und die Bremsraketen gezündet haben." Die Position des Fallschirms zur Landesonde stimme mit dem leichten Westwind überein, der am Tag des Absturzes anhand der Staubwolken-Bewegung beobachtet worden sei.
Hoch auflösende Fotos geplant
Die Nasa hatte vermutet, dass das Ausfahren des Fahrwerks mehrere Kilometer über der Marsoberfläche bereits den Mechanismus zur Meldung des Bodenkontakts ausgelöst habe. Als dann die Software in einer Höhe von 40 Metern den Stand der Dinge überprüft habe, habe sie die Raketen sofort abgeschaltet und den "Polar Lander" abstürzen lassen.
Auf der Erde, die eine stärkere Anziehungskraft besitzt als der Mars, entspreche das einem Sturz aus einer Höhe von rund 13 Metern, so Malin. Der kleine Fleck inmitten des dunklen Rückstoßbereichs der Raketen lasse aber vermuten, dass die Sonde weitgehend intakt geblieben ist.
Michael Meyer, Chefwissenschaftler des Mars-Programms der Nasa, nannte Malins Schlussfolgerungen "spannend". Allerdings zeigten die Fotos nur eine der möglichen Absturzstellen des "Polar Lander". Um endgültige Klarheit zu bekommen, seien zusätzliche Bilder notwendig.
Die will Malin schon bald liefern. Jetzt, da die Absturzstelle wahrscheinlich bekannt sei, könne die Kamera von "Mars Global Surveyor" mit einer speziellen Technik namens cPROTO hoch auflösende Bilder schießen. Das Verfahren, das eine Auflösung von bis zu 50 Zentimetern pro Bildpunkt erlaubt, hat unter anderem den derzeit aktiven Mars-Rover "Spirit" inklusive dessen Spuren im Sand sichtbar gemacht.