Mars-Roboter: Reife Rover werden selbstständiger - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Mars-Roboter Reife Rover werden selbstständiger

Ein Update für "Spirit" und "Opportunity": Ähnlich wie neue Software auf ein Handy kommt, hat die Nasa den Mars-Robotern neue Funktionen in den Bordcomputer gefunkt. Sinn der Übung: Solange die Rover noch funktionieren, wollen die Nasa-Forscher das Letzte aus ihnen herausholen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der dritte Januar 2007 ist für "Spirit" eine Art Geburtstag, von dem die Verantwortlichen der US-Raumfahrtbehörde Nasa nicht geglaubt hätten, dass der kleine Mars-Roboter ihn wohlbehalten erleben würde. Auf 90 Marstage war die ursprüngliche Mission ausgelegt - nun rollt das Gefährt schon fast das Zwölffache dieser Zeit über unseren Nachbarplaneten. Nur drei Wochen später, am 24. Januar, fängt auch für den Zwillingsrover "Opportunity" das vierte Jahr auf dem roten Planeten an.

Abermalige Verlängerungen der Missionslaufzeiten haben die Verantwortlichen im Jet Propulsion Laboratory (JPL) im kalifornischen Pasadena auch etwas risikofreudiger gemacht: Im vergangenen Jahr erwogen sie, den kleinen Rollroboter "Opportunity" in den Victoria-Krater fahren zu lassen - auch wenn es unklar war, ob er da wieder rauskommen könnte.

Zum neuen Jahr haben die Wissenschaftler in der Kontrollstation ihren mechanischen Schützlingen eine neue Software spendiert. Diese stattet "Spirit" und "Opportunity" mit neuen Fähigkeiten aus - und macht die Roboter so deutlich autonomer als sie bisher waren.

  • Eine automatische Bilderkennungs-Funktion soll die Bordcomputer befähigen, bestimmte Phänomene selbstständig zu markieren. Damit sparen die Forscher sich Arbeit am Boden, denn bisher mussten sie durch Abertausende Aufnahmen blättern, um seltene Aufnahmen wie etwa die von den Staub-Teufeln an der Mars-Oberfläche zu finden. Künftig würde dazu nur noch vorsortiertes Material zur Erde gefunkt. "Durch diese gesteigerte Effizienz steht mehr Kommunikationszeit für zusätzliche wissenschaftliche Experimente zur Verfügung", teilte die Nasa mit.

  • Dass es mit den unermüdlichen Robotern nämlich doch irgendwann zu Ende gehen wird, ist auch in Pasadena allen klar. Daher soll eine visuelle Zielerkennung es den Robotern ermöglichen, bestimmte Merkmale der Landschaft besser im Blick zu halten.

  • Die "Go and Touch"-Fähigkeit überlasst es dem Gerät, selbst zu entscheiden, wo es seinen Roboterarm ausfährt und Boden- oder Gesteinsproben nimmt. Noch ist die gängige Praxis, dass "Spirit" und "Opportunity" erst Fotos von der Umgebung nach Kalifornien funken und dann auf weitere Anweisungen ihrer menschlichen Aufpasser warten. Diese dritte Verbesserung muss aber noch auf dem Mars getestet werden.

  • An einen Schachcomputer erinnert die vierte neue Funktion für die Mars-Rover: Die Bordcomputer denken in kniffligem Gelände für mehrere Wege einige Schritte in die Zukunft, beschreibt John Callas, Projektmanager für die Marsrover am JPL. "So könnten sie aus einer Sackgasse zurückfinden oder sogar einen Weg durch ein Labyrinth finden", sagte er.

Die Nasa spricht von einem "Intelligenzschub" für die alternden Kundschafter. Es handele sich um das umfangreichste Software-Update seit dem Start. Seit Januar 2004 hat "Spirit" 88.500 Fotos zur Erde gefunkt, "Opportunity" 80.700 Aufnahmen. Der erste Rover ist 6,9 Kilometer über die Marsoberfläche gerollt, sein Zwilling fast zehn Kilometer. Und solange die beiden Sympathieträger noch funktionieren, sollen diese Zahlen noch möglichst kräftig wachsen.

Die Nachfolge-Mission "Mars Science Laboratory" soll erst in zwei Jahren starten. Teile der Software dieses Marsrovers der nächsten Generation bekommen jetzt mit dem Update für "Spirit" und "Opportunity" einen Praxistest.

stx

Mehr lesen über