Mikroquasare Kosmisches Feuerwerk
Der Name klingt harmlos: Mikroquasare. Das hört sich klein an und ungefährlich. Doch ihre Kraft ist gewaltig. Fast so gewaltig wie die der großen Brüder, der quasistellaren Objekte - von Astronomen nur "Quasare" genannt. Diese Ungetüme existieren am Rande des Universums, dort wo galaxiengroße Schwarze Löcher gewaltige Mengen Materie ansaugen und unaufhaltsam verschlucken. Dabei werden Staub, Gas und sogar ganze Sterne derart beschleunigt und erhitzt, dass sie Röntgenstrahlung in Form von zwei gewaltigen entgegengesetzten Strömen ausstoßen - so genannte Jets.
Auch die deutlich näheren Mikroquasare verfügen über Jets. Zwar ist ihr Schwarzes Loch kleiner als das der echten Quasare. Da das Loch aber meist als eine Art Doppelsternsystem zusammen mit einer zweiten Sonne existiert, lässt sich von diesem Begleiter genug Materie absaugen, um Energieströme aufrecht zu erhalten.
Was mit den Jets passiert, war bislang allerdings weitgehend unbekannt: Während die Auswürfe ausgewachsener Quasare irgendwann auf interstellare Materie stoßen und bei den Kollisionen ein kosmisches Feuerwerk zünden, zeigen die Jets der Mikroquasare normalerweise kaum Wechselwirkungen mit der Umgebung.
Doch ein internationales Astronomenteam konnte jetzt einen außergewöhnlichen Mikroquasar bei der Arbeit beobachten. Dies berichten die Forscher in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "Science". Seit seiner Entdeckung im Jahre 1998 schickt das Schwarze Loch Radio- und Röntgenstrahlung ins Weltall, die sich mit einem Tempo nahe der Lichtgeschwindigkeit fortbewegen. Erst mit Hilfe des schwebenden Röntgenteleskops "Chandra" gelang es, Jets zu beobachten, die weiter von der Quelle entfernt waren, als es jemals zuvor gelungen war. "Das war, als ob wir einen Zeitraffer vom Aufstieg und Fall des Bronzezeitalters anschauen konnten", sagt Stephane Corbel von der Université de Paris.
Im Laufe der Jahre wurden die Jets allerdings ungewöhnlich stark abgebremst. Mehr noch: Einer der beiden Ströme verschwand zunächst ganz und tauchte dann in umgekehrter Richtung wieder auf. "Das legt nahe, dass wir endlich direkte Beweise dafür haben, dass der Jet eines Mikroquasars auf umgebende Materie gekracht ist", schreibt Michael Rupen vom National Radio Astronomy Observatory (US-Bundesstaat New Mexico) in einem "Science"-Kommentar.
Wie die Jets genau abgebremst werden und welche Auswirkungen sie auf die interstellare Materie haben bleibt dennoch fraglich. Sicher scheint nur, dass die Jets der Mikroquasare extrem kurzlebig sind, dennoch über eine ungeheure Kraft verfügen. Rupen: "Wenn die Jets auf Materie stoßen, entfachen sie ein prächtiges Feuerwerk - und das nur wenige Jahre nach ihrer Geburt."