Neue kosmische Datierung Forscher bestimmen Alter des Mondes neu
Vollmond (über Hannover): Vermutlich aus den Trümmern einer katastrophalen Kollision entstanden
Foto: Julian Stratenschulte/ dpaDer Mond ist vermutlich erst rund hundert Millionen Jahre nach den ersten festen Körpern in unserem Sonnensystem entstanden. Das zeigen Modellrechnungen, über die Forscher um Seth Jacobson vom Observatoire de la Côte d'Azur in Nizza im Fachblatt "Nature" berichten . Damit wäre der Mond viel jünger als in manchen Modellen angenommen. Einige Theorien datieren seine Entstehung auf nur 30 Millionen Jahre nach der Geburt des Sonnensystems vor rund 4,5 Milliarden Jahren.
Sehr wahrscheinlich bildete sich der Mond aus den Trümmern einer katastrophalen Kollision, bei der ein etwa marsgroßes Objekt in die junge Erde einschlug. Wann diese Kollision stattfand, ist nicht eindeutig geklärt. Die Forscher um Jacobson simulierten die Entstehung der Gesteinsplaneten Merkur, Venus, Mars und Erde in insgesamt 259 Modellrechnungen. Darin zeigte sich ein Zusammenhang zwischen dem Einschlagdatum und dem Anteil der sogenannten siderophilen - Eisen liebenden - Elemente im Erdmantel.
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Plus minus 32 Millionen Jahre
"Wir waren begeistert, einen Zeitmesser für die Formation des Mondes zu finden, der nicht auf radiometrischen Methoden beruht", berichtet Jacobson in einer Mitteilung des Southwestern Research Institute in San Antonio, US-Staat Texas, das an der Arbeit beteiligt war. Demzufolge handelt es sich um die erste Datierungsmethode für das junge Sonnensystem, die ohne Messung radioaktiver Elemente auskommt. Die neue Methode könne helfen, die beste der oft nicht einheitlichen radiometrischen Datierungsverfahren für die Frage der Mondentstehung zu bestimmen.
Mit Hilfe des bekannten Anteils siderophiler Elemente in der Erdkruste datierten die Forscher die Entstehung des Mondes auf 95 Millionen Jahre nach der Geburt des Sonnensystems, mit einer Unsicherheit von plus oder minus 32 Millionen Jahren. "Dieses Ergebnis ist spannend, denn wir können in derselben Simulation den Mars in nur zwei bis fünf Millionen Jahren entstehen lassen und den Mond in hundert Millionen Jahren. Diese enorm unterschiedlichen Zeitskalen waren bislang in Simulationen sehr schwer einzufangen", betont Co-Autor Kevin Walsh vom Southwestern Research Institute.