Nasa-Visionen: Mars, was sonst? - DER SPIEGEL
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Nasa-Visionen Mars, was sonst?

Wenn die Nasa öffentlich von neuen Missionen träumt, bleiben wenig Zweifel, dass die Träume auch einmal Realität werden sollen. Ganz besonders, wenn sie sich um den Mars drehen.
Von Alexander Stirn
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

San Francisco - Je größer die Aufgaben, desto wichtiger die prominente Unterstützung. Und so sah sich die US-Weltraumbehörde Nasa bei der Präsentation ihrer Mars-Pläne auf der Jahrestagung der American Association for the Advancement of Sciences gezwungen, eine zugkräftige Nummer zu präsentieren. Am besten noch aus dem Science-Fiction-Bereich.

Der Mann war schnell gefunden: James Cameron. Der "Terminator"- und "Alien"-Regisseur kommt zwar zu spät, dafür darf er auch nur wenige Worte sagen - ein prominenter Grußonkel, ein gut gelaunter, wenn auch etwas einsilbiger Moderator. Der Name zählt, die Menschen kommen. Zudem treibt sich der 46-Jährige, so ist zu hören, zur Recherche neuer Film- und Fernsehprojekte ohnehin ständig bei der US-Weltraumbehörde herum.

Camerons Kurzauftritt in San Francisco erscheint umso wichtiger, als die Nasa-Manager unter dem wenig spektakulären Titel "Menschliche Erforschung des Weltraums" kaum Neues vermelden können. Interessanter ist folglich die Frage, die sie das Altbekannte präsentieren.

Da ist zum einen John B. Charles vom Johnson Space Center in Houston, ein Hüne, der bei seinen Vorträgen die Overhead-Folien so schnell wechselt, als stände der Countdown eines Shuttle-Starts unmittelbar bevor. Charles gehört zwar zu der Sorte von Nasa-Managern, die unterbrochen davon reden, dass alle Pläne höchst vorläufig sind und noch überhaupt nichts feststeht. Gleichzeitig macht er aber mit jeder Faser seines Körpers klar, dass die Amerikaner Menschen zum Mars schicken werden.

Wie genau? Egal. Ob mit einer thermonuklearen Rakete, die vier bis sechs Monate bis zum Mars brauchen würde, oder mit einem solargetriebenen Raumschiff - die Überlegungen sind da, die künstlerisch wertvollen Skizzen angefertigt. Auch eine Plasmarakete, die dank kontinuierlicher Beschleunigung die Reise Erde-Mars und zurück in sieben Monaten bewältigen könnte, gibt es schon. Zumindest auf den Folien von John Charles.

Die Crew-Quartiere auf dem roten Planeten, die Tankstelle im Mars-Orbit, alles höchst vage, aber machbar. Punkt. Sicherlich: Die medizinische Versorgung, die Kommunikation mit der Erde oder die intensive Strahlung im Raumschiff stellen Probleme dar; deren Lösungen allerdings schon "weit vorangeschritten" sind. Selbst die kosmische Waschmaschine ist, so Charles in einem Nebensatz, nur noch eine Frage der Zeit.

Wie es um die Gesundheit der Crew bestellt sein wird, das ist für den Nasa-Mann zuallererst eine Frage der Statistik. Bei einer projizierten Krankheitswahrscheinlichkeit von 0,06 Fällen pro Jahr müsste während der Mars-Mission wohl einmal die Notaufnahme aufgesucht werden - wenn es denn eine gäbe. "Wir sprechen nicht von einer risikofreien Mission." Wenn der graumelierte Mittfünfziger solche Sätze gelassen ausspricht, klingt das gleich nicht mehr so dramatisch.

Auch Christopher McKay vom Ames Research Center der Nasa ist ein Experte darin, Optimismus zu verbreiten. Der Forscher vom Typ Autoverkäufer - legeres Hemd, einnehmendes Wesen und überzeugend klingende Argumente - darf sich an diesem trüben Nachmittag der Frage widmen, wie und vor allem warum Menschen zum Mars fliegen sollen. Das Warum ist schnell geklärt: "Der Mars sah einmal so aus wie die Erde."

Ob es einmal Leben auf dem Mars gab? Eher nebensächlich. Die wirklich wichtige Frage ist für McKay, ob das Leben auf dem Mars unabhängig vom irdischen Leben entstanden ist. Um das zu erfahren, braucht es marsianische DNS. Tot oder lebendig? Anyway. "Würden wir auf lebendige Organismen stoßen, müssten wir sie zur Analyse eh umbringen."

Zweites wichtiges Problem für den agilen Nasa-Manager: Gelingt es, auf dem Mars eine funktionierende Biosphäre aufzubauen? McKay ist da zuversichtlich: "Wir wissen schließlich, wie man Planeten aufwärmt." Mission erfüllt. Die technischen und biologischen Voraussetzungen für die Ankunft des Homo sapiens sind geschaffen. In der Theorie.

Und warum müssen überhaupt Menschen auf den Mars? McKay zieht die Schultern hoch. "Wir brauchen dafür nun einmal Menschen." Kurze Pause. "Roboter sind einfach zu dumm."

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