Neue Theorie Der Kosmos ist eine Trompete
Seit der Antike streiten die Gelehrten über die Frage, wie das Weltall geformt ist - und haben sowohl einfache geometrische Formen als auch bizarre Ungetüme vorgeschlagen. Einigen astronomischen Beobachtungen zufolge ist der Raum beinahe flach, andere Wissenschaftler gehen von der Form eines Torus aus, der einem im Alltag üblicherweise als Donut begegnet.
Ein Team der Universität Ulm glaubt nun, das Rätsel anhand von Beobachtungen der kosmischen Hintergrundstrahlung gelöst zu haben. Das Nachglühen des Urknalls weise demnach darauf hin, dass der Kosmos die Form einer mittelalterlichen Trompete besitzt.
Wie das Magazin "Geo" in seiner Juni-Ausgabe berichtet, benutzte das Team um den Physiker Frank Steiner das Bild vom trichterförmigen Universum als Vereinfachung, weil ein negativ gekrümmter dreidimensionaler Raum die Vorstellungskraft mathematisch Ungeübter übersteige. Tatsächlich würde das Universum nur die Wand der Trompete füllen, nicht ihren Hohlraum. Kein Raumschiff könne das Horn verlassen. Fliege es auf der Außenwand über das Ende des Trichters, kehre es auf der Innenwand wieder zurück.
Ist der Fußball-Kosmos passé?
Auf die spitz zulaufende Trichterform kamen die Forscher, weil es in der Hintergrundstrahlung keine Temperaturschwankungen gibt, die eine bestimmte räumliche Größe überschreiten. Außerdem könne diese Form die beobachtete elliptische Gestalt einiger Wärmeflecken in der Hintergrundstrahlung erklären.
Diese Eigenschaften des Urknallechos stehen im Widerspruch zu anderen Modellen wie dem des Fußball-Universums. Dieser Kosmos in Form eines Dodekaeders, den schon Platon vor 2400 Jahren favorisierte und der kürzlich von einem französisch-amerikanischen Forscherteam vorgeschlagen wurde, geriet zuletzt auch durch Beobachtungen US-amerikanischer Wissenschaftler ins Wanken.
Neil Cornish von der Montana State University und seine Kollegen schlossen aus der Untersuchung der kosmischen Hintergrundstrahlung, dass das Universum einen Durchmesser von mindestens 75 Milliarden Lichtjahren hat. Damit, schrieben die Forscher in einem Artikel für das Fachmagazin "Physical Review Letters", sei das nur 70 Milliarden Lichtjahre messende Dodekaeder-Universum hinfällig.
Suche nach himmlischen Doppelgängern
Die Franzosen und Amerikaner um Jean-Pierre Luminet hatten als Form des Fußball-Universums den so genannten Poincaré-Dodekaeder-Raum vorgeschlagen, der auf bizarre Art in sich selbst zurückgefaltet ist. Würde ein Raumschiff oder Licht auf einer Seite herauszufliegen versuchen, tauchte es auf der gegenüberliegenden Seite wieder in den "Fußball" ein.
Dieser Effekt würde auch bewirken, dass Licht entfernter Galaxien auf mehreren verschiedenen Wegen zur Erde gelangen könnte. Das All wäre demnach ein komplizierter Spiegelsaal, der einen unendlichen Raum nur vorgaukelt und zahlreiche Bilder derselben Objekte produziert.
Das Team um Cornish suchte also in der kosmischen Hintergrundstrahlung nach kreisförmigen Doppelbildern an gegenüberliegenden Seiten des Himmels. Je kleiner das Universum ist, meinen die Forscher, desto größer müssten die Doppelbilder sein. In den Bildern des Nasa-Satelliten WMAP (Wilkinson Microwave Anisotropy Probe) seien aber keine übereinstimmenden Kreise mit einem Radius von mehr als 25 Grad zu finden gewesen. In einem Dodekaeder-Kosmos müssten dagegen doppelte Kreise mit einem Radius von 35 Grad zu sehen sein.