Neue These: Kometen eher steinig als eisig - DER SPIEGEL
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Neue These Kometen eher steinig als eisig

Die bisher größte Untersuchung von Kometenschweifen wirft eine überraschende Frage auf: Sind Kometen keine schmutzigen Schneebälle, sondern in erster Linie Gesteinsbrocken?
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Astronomen vergleichen Kometen gern mit schmutzigen Schneebällen. Nach der gängigen Vorstellung bestehen die Himmelskörper aus einer Mischung aus Eis, Staub und Gesteinsbrocken. Ihr Schweif entsteht durch Verdampfen von Eis in Sonnennähe: Der Sonnenwind drückt den einige Millionen Kilometer langen Schweif in eine Richtung, die von der Sonne wegweist.

William Reach, Astronom am Spitzer Science Center in Pasadena, zweifelt die Theorie vom schmutzigen Schneeball jetzt an. Nach seiner Meinung sind Kometen vielmehr Gesteinsbrocken, die sich auf einer stark elliptischen Bahn um die Sonne bewegen.

Reach stützt seine These auf eine Untersuchung von 29 solcher Schweifsterne mit dem Spitzer-Weltraumteleskop. Bei 21 Kometen entdeckte der Astronom eine Trümmerspur in der Umlaufbahn. Diese Bruchstücke seien für den größten Teil des Masseverlustes dieser Himmelskörper verantwortlich, sagte Reach bei der Jahrestagung der American Astronomical Society in Minneapolis.

In dieser bislang größten Untersuchung von Kometenspuren konzentrierte sich der US-Forscher auf Kometen mit kurzen Umlaufzeiten von nur einigen Jahren um die Sonne. Mit dem Spitzer-Weltraumteleskop konnte er die Bahnen der meisten Trümmerspuren anhand ihrer Wärmeabstrahlung als schmale Bänder ausmachen.

Da die Bänder in der Umlaufbahn überraschend stabil blieben und nicht mit der Zeit verschwanden, müssen die Gesteinspartikel darin mindestens einen Durchmesser von einem Millimeter haben, folgert Reach. "Damit haben diese Kieselsteine am Masseverlust der kurz-periodischen Kometen den größten Anteil."

Andere Forscher sind noch nicht überzeugt. Doch schon am 4. Juli könnte es neue Erkenntnisse geben. Dann begegnet die Nasa-Sonde "Deep Impact" dem Kometen Tempel 1 und schießt ein Projektil auf ihn ab. Das Geschoss soll einen bis zu 25 Meter tiefer Krater schlagen, der einen Blick ins Innere des Kometen erlauben soll.