Neuer Startversuch Countdown für Mars-Sonde läuft
Cape Canaveral - Wegen technischer Probleme war der Start des "Mars Reconnaissance Orbiter" bereits vom gestrigen Mittwoch auf heute verschoben worden. Die Nasa befürchtete Schwierigkeiten mit der Atlas-V-Trägerrakete, nachdem Techniker Probleme mit der Steuerung einer ähnlichen Rakete beobachtet hatten. Die US-Raumfahrtbehörde entschloss sich daraufhin, den Start kurzfristig zu verschieben und ordnete weitere Tests an, bei denen jedoch keine Auffälligkeiten entdeckt wurden.
Auch am heutigen Donnerstag wurde der Starttermin bereits mehrfach nach hinten verlagert. Mittlerweile hat die Nasa entschieden, die Rakete um 15.35 Uhr deutscher Zeit abheben zu lassen. Es ist der spätest mögliche Zeitpunkt, der heute noch möglich ist.
Zunächst hatte sich die Betankung der Trägerrakete verzögert, weil ein heftiges Gewitter über den Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida hinweggezog. Anschließend war bei der Nasa von einem Softwareproblem die Rede.
Der "Mars Reconnaissance Orbiter" (MRO) wird von der Trägerrakete auf Kurs gebracht, wird jedoch erst im März nächsten Jahres in eine Umlaufbahn um den Roten Planeten einschwenken. Die Nasa überträgt den Start live im Internet .
Von ihrem Orbit aus soll sie zunächst hochauflösende Bilder von der Mars-Oberfläche schießen und sie nach möglichen Landeplätzen für künftige Roboter-Missionen absuchen, die innerhalb der nächsten zehn Jahre auf dem Erdnachbarn aufsetzen sollen. Die Auflösung der Kamera, die die bislang schärfsten Bilder der rostroten Marsoberfläche schießen soll, ist sechsmal so hoch wie die der derzeitigen Kameras im Mars-Orbit.
Suche nach Landeplätzen
Die Sonde hat auch ein Radar an Bord, das bis zu 500 Meter unter der Oberfläche des Mars nach Spuren von Wasser forschen kann. Andere Instrumente können Mineralien analysieren und die täglichen Wetteränderungen aufzeichnen.
"Der MRO ist die nächste Stufe in unserer ehrgeizigen Erforschung des Mars", sagte Douglas McCuistion, Direktor des Mars-Forschungsprogramms der Nasa. Die Mission, die nach Nasa-Angaben etwa 580 Millionen Euro kosten wird, dient außerdem als Kommunikationsverbindung: Die zwei Tonnen schwere Sonde wird nach Abschluss ihrer vierjährigen Mission als interplanetares Sendezentrum um den Mars kreisen. Mit einer hochverstärkenden Antenne an Bord kann sie bis zu zehn Mal mehr Daten pro Minute Richtung Erde senden, als das bisherige Satelliten-Trio im Mars-Orbit zusammen.
"Es gibt noch viele unbeantwortete Fragen über den Mars", betonte der Projektwissenschaftler Richard Zurek. Mit ihren detailgenauen Aufnahmen und Gesteinsanalysen wird die Sonde die zwei Landemissionen vorbereiten, die in den nächsten vier Jahren geplant sind: Sowohl die "Phoenix Mars", als auch die "Mars Science Laboratory"-Mission wollen 2007 und 2009 auf dem Mars aufsetzen. "Wir wollen keinen Zement auf den Mars schleppen, das ist zu teuer", sagte Zurek. Der Orbiter soll ermitteln, welche Materialien auf der Oberfläche des Roten Planeten möglicherweise zum Bau einer Station verwendet werden könnten.
Doch der Orbiter soll auch das Schicksal früherer Mars-Missionen klären. Sowohl der "Mars Polar Lander" als auch die "Beagle 2" hatten 1999 und 2003 den Kontakt zur Erde verloren und gelten seitdem offiziell als verschollen. Aufnahmen, die die verunglückten Roboterfahrzeuge zeigen, waren noch nicht bestätigt worden.
Rücktransport der "Discovery"
Während die Startvorbereitungen für den Orbiter in Cape Canaveral auf Hochtouren laufen, teilte die Nasa mit, der am Dienstag gelandete Shuttle "Discovery" sei in einem außergewöhnlich guten Zustand. "Es ist der sauberste Shuttle, den ich je gesehen habe", sagte Dean Schaaf, Chef-Landetechniker der Nasa. Der Hitzeschild an der Unterseite der Raumfähre hätte beim Eintritt in die Erdatmosphäre weniger Schaden erlitten, als bei früheren Missionen, erklärte die US-Raumfahrtbehörde.
Die "Discovery" wird nun für ihre Rückreise vorbereitet. Auf dem Rücken einer Boeing 747 wird der Shuttle von der Edwards Air Force Base in Kalifornien zum Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida gebracht werden.