"New Horizons": Start der Pluto-Sonde verschoben - DER SPIEGEL
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"New Horizons" Start der Pluto-Sonde verschoben

Starke Windböen haben den geplanten Start der Nasa-Sonde "New Horizons" zum Planeten Pluto verhindert. Ein neuer Versuch soll am Mittwoch unternommen werden. Kritiker fürchten sich vor dem Abheben der Sonde - denn die hat als Kraftquelle Plutonium an Bord.
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Cape Canaveral - Auf dem Pluto ist es kalt, sehr kalt. Auf minus 233 Grad wird die Temperatur auf dem äußersten Planeten unseres Sonnensystems geschätzt - und dorthin sollte die Sonde "New Horizons" am Dienstagabend aufbrechen. Wegen ungünstiger Windbedingungen verschob die Nasa den Start immer weiter nach hinten, bis sie ihn gänzlich absagte. Die Raumsonde soll jetzt am Mittwoch um 19.16 Uhr MEZ vom US-Weltraumbahnhof in Cape Canaveral in Florida abheben.

Weil die Sonne so weit draußen kaum noch Kraft hat, kann die Sonde sich nicht auf Solarenergie verlassen - sie muss ihre eigene Energie mitbringen für die neun Jahre und sechs Milliarden Kilometer lange Reise zum Eiszwerg Pluto.

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"New Horizons": Pluto-Sonde auf dem Weg zum Eiszwerg

Foto: DDP

Dazu hat sie - ausgerechnet, wie Manche meinen - Plutonium dabei. Vor dem Start protestierten deshalb etwa 30 Menschen vor dem Zaun der Air-Force-Basis in Cape Canaveral. Als die "Cassini"-Sonde 1997 gestartet wurde, waren die Proteste deutlich größer, Hunderte demonstrierten vor dem Start, weltweit wiesen besorgte Atomkraftgegner auf mögliche Gefahren hin. "Cassini", die derzeit den Saturn und seine Monde erforscht, hat fast 33 Kilogramm Plutonium an Bord, um die Instrumente anzutreiben und dafür zu sorgen, dass die Sonde im kalten All nicht einfriert.

"New Horizons" hat deutlich weniger von dem radioaktiven Stoff dabei, aber immer noch genug, um der Nasa Sorgen zu machen. Sollte es einen ernsthaften Unfall beim Start geben, würden die anschließenden Aufräumarbeiten zwischen 241 Millionen und 1,3 Milliarden US-Dollar kosten, schätzte die Weltraumbehörde im vergangenen Jahr. Die mittlere durchschnittliche Strahlendosis, die Menschen innerhalb eines Radius von etwa 100 Kilometern um die Startrampe herum abbekämen, betrüge etwa 80 Prozent dessen, was US-Amerikaner im Jahr ohnehin durch Hintergrundstrahlung verkraften müssen, so die Nasa.

Für die Mission hat die Nasa sicherheitshalber zwei radiologische Kontrollzentren eingerichtet. 16 mobile Teams stehen zusätzlich bereit, die Radioaktivität im Bereich um den Startort herum zu messen. Medizinisches Personal in örtlichen Kliniken ist auf den nuklearen Ernstfall vorbereitet worden.

Ein Nasa-Sprecher sagte, die Vorsichtsmaßnahmen seien wie "Rettungswagen bei Footballspielen - man erwartet nicht, dass man sie braucht, aber sie sind da, falls man sie braucht." Die Nasa schätzt das Risiko, dass mit dem Plutonium etwas schief geht, auf 1 zu 350.

Früher war die Raumfahrtbehörde übrigens weniger zimperlich im Umgang mit Radioaktivität. Als beispielsweise die "Apollo 13"-Mission 1970 in einer Notaktion zur Erde zurückgeholt wurde, entledigte sich die Besatzung unter anderem der sogenannten "Apollo Lunar Surface Experiments Package". Deren Kraftquelle enthielt 3,8 Kilogramm Plutonium - die seitdem auf dem Grund des Pazifik ruhen.

Die US-Raumfahrtbehörde hat bis zum 14. Februar Zeit, die Sonde zu starten. Verzögerungen könnten jedoch die Reisezeit um fünf Jahre verlängern.