Notfallplan Rettungsshuttle soll am Boden bleiben
Nach bisherigen Plänen sollte die Raumfähre "Atlantis" am 9. September zur Internationalen Raumstation (ISS) fliegen. Der Shuttle ist auch ein zentrales Element im Notfallplan zur möglichen Rettung der "Discovery"-Besatzung. Doch den Einsatz der "Atlantis" hält Nasa-Programmdirektor Bill Parsons nach den neuesten Erkenntnissen für unwahrscheinlich: Seiner Einschätzung nach sei die "Discovery" im guten Zustand für den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre.
In den ersten Stunden des Flugs hatten die sieben Astronauten mit Hilfe einer Infrarot-Kamera und eines Laser-Scanners bereits genauestens Flügel und Nase des Shuttle auf mögliche Schäden untersucht, ohne etwas zu entdecken. "Ich habe großes Vertrauen in den Hitzeschutz", sagte Wayne Hale, stellvertretender Leiter des Shuttle-Programms.
Raumfahrt: Zwischenfälle beim "Discovery"-Start
Die russische Raumfahrtbehörde "Roskosmos" erklärte heute, dass sie im Notfall die Shuttle-Astronauten nicht mit Sojus-Kapseln auf die Erde zurückbringen könnte. Jeder Raumfahrer müsste in speziell zugeschnittenen Schalensitzen festgeschnallt werden, um Verletzungen bei der Landung zu vermeiden. Solche Sonderanfertigungen gebe es für die sieben "Discovery"-Astronauten nicht.
Die US-Raumfahrtbehörde hatte vorerst alle weiteren geplanten Shuttle-Flüge abgesagt. Die Entscheidung fiel gestern nach Auswertung von Kamera-Aufzeichnungen des Starts der "Discovery". Demnach löste sich ein Stück Schaumisolierung - etwa 61 mal 74 Zentimeter groß - von dem Tank, traf und beschädigte die Raumfähre aber nicht wie vor zweieinhalb Jahren die verunglückte "Columbia".
"Nennen Sie es Glück oder was auch immer, es hat den Shuttle nicht getroffen", sagte Parsons. Wenn der Schaum früher abgebrochen wäre, hätte die "Discovery" katastrophal beschädigt werden können. "Wir denken, das wäre wirklich schlecht gewesen, das ist nicht akzeptabel", sagte Parsons' Stellvertreter, Wayne Hale und begründete damit den Stopp weiterer Shuttle-Missionen.
Die "Discovery" soll heute um 13.18 Uhr MESZ an der ISS andocken. Beim Anflug auf die internationale Raumstation will die NASA auch Aufnahmen aus rund 180 Metern von drei beschädigten Hitzekacheln an der Unterseite der "Discovery" machen. Diese Beschädigungen, deren Ursache noch nicht eindeutig geklärt ist, seien kein Problem, das einem den Schlaf raube, sagte Hale.
Beim bevorstehenden Andocken an die ISS werden keine Probleme erwartet. "Bislang läuft alles nach Plan", sagte ein Sprecher des russischen Flugleitzentrums bei Moskau. Die erfahrene Kommandantin Eileen Collins wird die "Discovery" per Handsteuerung an die ISS bugsieren. Zwei Stunden nach dem Andocken sollen die Schleusen um 15.19 Uhr MESZ geöffnet werden, damit die Astronauten in die ISS hinüberschweben können.
Erst nach Auswertung aller Daten will die Nasa beschließen, ob die Raumfähre mit den Beschädigungen zurück zur Erde fliegt oder im Weltall repariert wird. Sollte die Nasa entscheiden, dass der Rückflug der "Discovery" ein zu großes Sicherheitsrisiko wäre und eine Reparatur im All ausschließen, müssten alle sieben Astronauten in der ISS bleiben. In diesem Fall wäre ein Einsatz des Shuttles "Atlantis" erforderlich. Innerhalb von höchstens 70 Tagen müsste die Raumfähre die Astronauten abholen, da sonst die Sauerstoff- und Essensvorräte auf der ISS nicht mehr ausreichen.