"Orbital Express" Mechaniker-Roboter ins All gestartet
Cape Canaveral - "Ganz ehrlich, es handelt sich hier teilweise um ziemlich herausfordernde Technologien - die vielleicht einfach nicht funktionerieren", sagte Carol Welsch von der US Air Force - eine ungewöhnlich verhaltene Äußerung für eine Rüstungstechnikerin kurz vor dem großen Moment. In der Nacht zum Freitag (MEZ) hat eine Atlas-5-Rakete vom Raumfahrtbahnhof Cape Canaveral in Florida aus einen Zwillingssatelliten ins All getragen, auf dem für die nächsten drei Monate der Blick der Raumfahrtindustrie ruhen wird. "Wir probieren hier ganz neue Technologie aus", sagte Welsch.
Doch "Orbital Express" ist kein Spionage- und kein Erdbeobachtungssatellit, kein Himmelsobservatorium und kein Reisender in die Tiefen des Alls. Das Experiment der US-Luftwaffe und der Raumfahrtbehörde Nasa ist der erste Schritt in Richtung einer Flotte von Roboter-Mechanikern in der Erdumlaufbahn.
Satelliten werden voll betankt und komplett montiert ins All geschossen - so, wie sie dort funktionieren sollen. Sind aber die Treibstoffvorräte erschöpft oder eine Schlüsselkomponente defekt, rast ein Millionen teurer Trabant dann tumb und tot durch den Himmel.
Besonders aufwändige Gefährte wie etwa das Weltraumteleskop "Hubble" waren von vorne herein so entworfen, dass sie von Astronauten gewartet werden sollten - ein sehr kostspieliger Boxenstopp im Orbit. Und wenn im Jahr 2010 die Nasa ihre alternde Shuttle-Restflotte einmotten wird, geht damit auch die Möglichkeit für solche Reparaturmissionen verloren. Nicht nur Wissenschaftlern könnte das Bauchschmerzen verursachen. Auch Militärs fürchten den Ausfall wichtiger Himmelsspäher.
Rendezvous, Tanken, Ersatzteile installieren
"Was wir hier mit 'Orbital Express' tatsächlich versuchen, ist das Paradigma zu verändern, nach dem wir im All arbeiten", sagte Fred Kennedy, der zuständige Programmmanager in der Forschungsbehörde des Verteidigungsministeriums (Defense Advanced Research Projects Agency, Darpa). Roboter sollen die sich abzeichnende Lücke füllen und der wachsenden Anzahl von Satelliten in der Erdumlaufbahn eine längere Dienstzeit bescheren.
Nach mehreren Wochen währenden Systemchecks, soll "Orbital Express" vorführen, wie das funktionieren könnte: Das Gefährt besteht aus zwei autonomen Satelliten, "Astro" und "Nextsat". "Astro" (Autonomous Space Transport Robotic Operations) ist eine Art Tonne mit Greifarm. Der Satellit enthält außerdem gut 130 Kilogramm Treibstoff.
Solange "Astro" und "Nextsat" noch verbunden sind, sollen sie einen Treibstofftransfer vornehmen, um künftige Tankaktionen für leergelaufene Satelliten zu üben. Danach sollen die beiden Trabanten sich trennen, um kurz darauf Rendezvous-Manöver zu üben. "Astro" soll "Nextsat" wieder so nahe kommen, dass er per Roboterarm eine rund 25 Kilogramm schwere Ersatzbatterie an seinem Partnersatelliten installieren kann.
Verläuft das "Orbital Express"-Experiment nach den Vorstellungen von Nasa und Darpa, so soll "Nextsat" von seiner Primärstromversorung auf die im All installierte Reservebatterie umschalten - das wäre dann ein gelungenes Experiment für eine Reparatur in der Umlaufbahn.
stx/rtr