Planet Venus: Mysteriöser Riesenbogen entdeckt - DER SPIEGEL
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Rätsel in der Atmosphäre: Venus hat den Bogen raus

Foto: Planet-C/ DPA

Nachbarplanet Mysteriöser Riesenbogen über Venus entdeckt

Er ist 10.000 Kilometer lang und in 65 Kilometer Höhe: Eine Sonde hat in der Atmosphäre des Planeten Venus einen mysteriösen Riesenbogen fotografiert. Nun rätseln Forscher über den Ursprung.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Forscher haben auf unserem Nachbarplaneten Venus einen gigantischen Bogen in der Atmosphäre entdeckt. Die Struktur habe sich von der Nordpolregion des Planeten über den Äquator bis zur Südpolregion erstreckt, berichten japanische Wissenschaftler um Makoto Taguchi von der Rikkyo-Universität in Tokio im Fachblatt "Nature Geoscience" .

Insgesamt hatte der Bogen eine Länge von rund 10.000 Kilometern und befand sich in 65 Kilometer Höhe. Vom 8. bis 11. Dezember 2015 stand er mindestens vier Tage fast starr über einer Bergregion der Venus - dabei herrschen in diesen Höhen Winde mit Geschwindigkeiten von rund 360 Kilometer pro Stunde. Doch der Bogen bewegte sich nicht mit dem Wolken.

Vier Tage lang fotografiert

Fotografiert hatte die Struktur die japanische Venussonde "Akatsuki" (Morgendämmerung). Nach den vier Tagen lag die Stelle aber außerhalb ihres Sichtfelds. Erst am 15. Januar 2016 war die Sonde wieder vor Ort - da war der Riesenbogen verschwunden.

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Rätsel in der Atmosphäre: Venus hat den Bogen raus

Foto: Planet-C/ DPA

Die Struktur ist auf den Bildern als hellere, wärmere Zone in der Atmosphäre zu erkennen: Sie hat eine Spitzentemperatur von etwa minus 40 Grad Celsius, während die Umgebung einige Grad kälter ist.

Woher kommt der Riesenbogen?

Die Forscher vermuten, dass es sich um eine sogenannte stationäre Schwerewelle handelt. Schwerewellen sind Wellen, bei denen die Gravitation die treibende Kraft ist. Die Wellen auf unseren Meeren sind zum Beispiel Schwerewellen. Die auf der Venus wäre jedoch in ihrer Bewegung eingefroren, also stationär.

Die Wissenschaftler nehmen an, dass die Berge die Schwerewelle im bodennahen Wind erzeugen, der über sie hinweg weht - ähnlich wie es auch an Bergketten auf der Erde geschieht. Diese Welle könnte sich bis in die oberen Schichten der Venusatmosphäre fortpflanzen und dort zu dem beobachteten riesigen Phänomen führen. Wie und ob sie mit der Oberfläche des Planeten verbunden ist, können die Forscher nicht sagen.

Wetter auf Venus anders als gedacht?

Ganz sicher sind sich die Forscher jedoch nicht: Normalerweise seien Schwerewellen deutlich kleiner, schreiben sie. Ihre Simulationen stützen die Hypothese der Schwerewelle zwar. Aber: "Die Ergebnisse sind kaum mit den bisher angenommenen Verhältnissen auf der Venusoberfläche zu vereinbaren", so die Autoren. Möglicherweise sind die Wetterverhältnisse also andere als bisher angenommen.

Die Venus ist mit einem Durchmesser von 12.100 Kilometern fast genauso groß wie die Erde mit 12.750 Kilometern. Da die Venus enger um die Sonne kreist, dauert ein Venusjahr knapp 225 Erdentage. Anders als unser Planet dreht sich Venus jedoch entgegen der Umlaufrichtung um sich selbst.

Ungemütliche Oberfläche

Auf der Venusoberfläche herrschen recht ungemütliche Bedingungen. Der Planet hüllt sich in einen dichten Wolkenschleier, dessen Treibhauseffekt die Oberflächentemperatur auf fast 500 Grad Celsius aufheizt. Die dichte Atmosphäre besteht fast gänzlich aus Kohlendioxid. Die Wolken bestehen im Wesentlichen aus Schwefelsäure-Tröpfchen.

Venus ist - neben Sonne und Mond - der hellste Himmelskörper am irdischen Firmament. Der strahlende Abendstern sinkt Ende Januar gegen 21.30 Uhr unter den Horizont. Die Helligkeit der Venus nimmt im Laufe des Monats leicht zu.

sep/dpa