Planetarer Unfall: Crash machte Pluto mondsüchtig - DER SPIEGEL
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Planetarer Unfall Crash machte Pluto mondsüchtig

Der Planet Pluto und sein Mond Charon, die in den Außenbezirken des Sonnensystems ihre Bahnen ziehen, weisen verblüffende Ähnlichkeiten mit der Erde und ihrem Mond auf. Wie der blaue Planet und sein Begleiter ist auch das eisige Gespann durch eine gewaltige Kollision entstanden.
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Verglichen mit den anderen Monden im Sonnensystem ist Charon ein echter Brummer: Plutos Trabant bringt es auf zehn bis 15 Prozent der Masse seines Planeten. Da kann - mit Abstrichen - nur noch der Erdenmond mithalten: Seine Masse entspricht etwa einem Prozent der Masse des Blauen Planeten. Alle anderen Monde bewegen sich in dieser Hinsicht höchstens im Promillebereich.

Auch die Umlaufbahnen des irdischen und des Pluto-Mondes sind auffällig ähnlich. Sie deuten darauf hin, dass die Begleiter einst sehr nahe an ihren Planeten entstanden sind, auf deren Entwicklung eingewirkt und sich dann in eine stabile Entfernung verabschiedet haben.

Während Astronomen mittlerweile ziemlich sicher sind, wie der Erdenmond vor 4,5 Milliarden Jahren geformt wurde, war über die Entstehung von Charon bislang kaum etwas bekannt. Doch Robin Canup, Planetenforscher am Southwest Research Institute in Boulder (US-Bundesstaat Colorado), glaubt nun, mit Hilfe einer Computersimulation der Herkunft des eisigen Mondes auf die Spur gekommen zu sein.

Wie der Wissenschaftler im Fachmagazin "Science" berichtet, dürfte Charon - wie der Erdenmond auch - durch die Kollision eines zunächst einsam seine Kreise ziehenden Planeten mit einem anderen Himmelskörper entstanden sein. Der gewaltige Zusammenstoß fand im Falle Plutos vermutlich im so genannten Kuiper-Gürtel statt, einem noch heute außerhalb der Neptun-Bahn existierenden Trümmerfeld aus vereisten Felsbrocken, die aus den Anfangsjahren des Sonnensystems stammen könnten. Bei dem Crash entstanden den Simulationen zufolge viele große Trümmer, die sich anschließend in einem Orbit rund um Pluto einfanden und schließlich Charon bildeten.

Offensichtlich waren derartige Zusammenstöße früher keine Seltenheit, wie Canup berichtet. Und auch die Wahrscheinlichkeit, dass dabei Massen und Geschwindigkeiten der Unfallgegner gerade in dem Bereich lagen, der zu stabilen Mondsystemen geführt haben könnte, dürfte relativ hoch gewesen sein.

Gerade die letzte Erkenntnis gibt Kritikern neue Nahrung, die Pluto seine kosmische Ausnahmestellung streitig machen wollen. Da es in den Außenbezirken des Sonnensystems jede Menge größerer Gesteinsbrocken gebe, dürfe Pluto nicht länger als Planet angesehen werden - besonders, wenn noch weitere Felsbrocken mit einem ständigen Begleiter existieren würden.

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