Planeten-Transit Venus hat einen Platz vor der Sonne
Das seltene Naturschauspiel dauert gut sechs Stunden. Von 7.20 Uhr bis 13.23 Uhr wandert die Venus am 8. Juni von der Erde aus gesehen von links nach rechts vor der Sonne vorbei und ist dabei als schwarzer Fleck deutlich sichtbar.
In nur 225 Tagen umkreist die Venus die Sonne und überholt die Erde dabei alle 584 Tage. Dennoch kommt es sehr viel seltener zu einem Venustransit, weil die Umlaufbahn der Venus gegenüber der Erdbahn um drei Grad geneigt ist. Der Venustransit tritt aber regelmäßig auf, in Abständen von acht, 105,5, wieder acht und 121,5 Jahren. Der nächste Termin ist der 6. Juni 2012, dann aber endet das Schauspiel schon kurz nach Sonnenaufgang und ist deshalb nur in Ansätzen sichtbar.
Wenn die Venus den Sonnenrand als dunkler Fleck überschritten hat, kommt es zu einem rätselhaften Phänomen, dem so genannten schwarzen Tropfen. Dabei erscheint die Sonne am Rand eingedellt und die Venus zum Sonnenrand hin tropfenförmig verlängert. Bei früheren Beobachtungen ließ sich deshalb die Zeit nicht genau bestimmen, zu der die Venus vollständig vor die Sonnenscheibe getreten ist.
Gerade früher waren aber diese Messungen für die Wissenschaft extrem wichtig: Von verschiedenen Orten auf der Erde erscheint der Venustransit leicht unterschiedlich, und aus den Differenzen wollten die Wissenschaftler den Abstand der Erde zur Venus und zu anderen Planeten bestimmen. Heute führt man die Messungen mit Hilfe von Radarreflexionen durch, mit denen die Entfernungen bis auf einige Meter genau bestimmt werden können.
Schon im 17. Jahrhundert hat der Astronom Johannes Kepler als Erster einen Venustransit vorhergesagt, und aus dem gleichen Jahrhundert ist auch die erste Beobachtung des Phänomens überliefert. Nachdem der britische Entdecker James Cook 1769 nach Tahiti reiste, um den Venusdurchgang zu beobachten, konnte der Wert für die Entfernung der Erde zur Sonne schon relativ gut eingegrenzt werden. Heute ist die Distanz, die Astronomische Einheit, auf 149.597.870 Kilometer festgelegt.
Am 8. Juni kann man den Venustransit in ganz Deutschland ohne Teleskop sehen. Allerdings sollten Venus-Beobachter auf jeden Fall eine Schutzbrille wie bei der Sonnenfinsternis tragen oder Sonnenprojektoren benutzen, die von mehreren Herstellern (siehe unten) angeboten werden. Viele Sternwarten bieten außerdem an, den Venustransit durch Teleskope zu beobachten, wie etwa die Sternwarten in Hamburg und Jena.