Radioastronomie: Forscher finden weit entferntes Wasser im All - DER SPIEGEL
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Radioastronomie Forscher finden weit entferntes Wasser im All

Es ist ein Fund aus den Kindertagen unseres Universums. Forscher haben in einer weit entfernten Galaxie Wasser nachgewiesen. Es befindet sich allerdings in einem Zustand, der jeden Gedanken an die Entstehung von Leben absurd erscheinen lässt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

London - Es ist ein unvorstellbar heißer Dampfstrahl in einem fernen Teil des Alls: Ein Forscherteam um John McKean vom Niederländischen Institut für Radioastronomie (Astron) hat auf einem Kongress im britischen Hatfield berichtet, dass er Wasser nachweisen konnte, das weiter von der Erde entfernt ist als alle bisher bekannten Vorkommen.

Mit Hilfe des riesigen 100-Meter-Radioteleskops des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie (MPIfR) in Effelsberg bei Bad Münstereifel hatten sich Forscher unter Leitung Violette Impellizzeris einen entlegenen Winkel des Universums vorgenommen. Bei den Untersuchungen, die von Juli bis September 2007 liefen, hatte es ihnen ein supermassives Schwarzes Loch im Zentrum der Galaxie J0414+0534 besonders angetan.

Von dort konnten die Astronomen bei mehreren Messungen ein schwaches, konstantes Radiosignal auffangen. Es stammte von Molekülen eines Dampfstrahls, der mit hoher Geschwindigkeit von dem Schwarzen Loch wegschießt. Die Wasserteilchen werden auf der furiosen Reise zum Schwingen gebracht und senden auf diese Weise Mikrowellenstrahlung aus - ganz so wie bei einem Laser sichtbares Licht abgegeben wird. Der Dampfstrahl leuchtet nach Auskunft der Astronomen 10.000-mal so hell wie unsere Sonne.

Und doch war das Signal nur schwer nachzuweisen. Nur weil sie auf den sogenannten Gravitationslinseneffekt setzten, gelang es den Forschern, das ferne Glimmen zu entdecken. Sie nutzen dabei folgenden Umstand aus: Eine Galaxie, die zwischen der Erde und dem beobachteten Gebiet liegt, lenkt mit ihrer Gravitationswirkung das ferne Signal ab und verstärkt es manchmal - wie im vorliegenden Fall. Sie wirkt so quasi wie eine Art kosmisches Teleskop.

Die aufgefangenen Signale stammen aus den Kindertagen des Universums. Sie entstanden nach Ansicht der Forscher etwa 2,5 Milliarden Jahre nach dem Urknall. "Die Strahlung, die wir nachgewiesen haben, brauchte 11,1 Milliarden Jahre, um die Erde zu erreichen", sagte John McKean. Weil sich das Universum in dieser Zeit aber ausgedehnt habe wie ein Luftballon, den man aufbläst, befinde sich die betreffende Region nun aber in 19,8 Milliarden Lichtjahren Entfernung von uns.

Die Forscher vermuten, dass es zahlreiche weitere Wasserdampf-Relikte aus dem frühen Universum gibt. Bisher konnten sie ihre Entdeckung aus der Galaxie J0414+0534 aber nicht wiederholen. Ihre Erkenntnisse von dort konnten aber inzwischen immerhin von Forschern am Expanded Very Large Array - einem Zusammenschluss von 27 Radioteleskopen von je 25 Metern Durchmesser im US-Bundesstaat New Mexico - nachgewiesen werden.

chs