Raumsonde: "Ulysses" stirbt den Kältetod - DER SPIEGEL
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Raumsonde "Ulysses" stirbt den Kältetod

Die Raumsonde "Ulysses" nähert sich ihrem Ende. Mehr als 17 Jahre lang war sie im All unterwegs, besuchte den Jupiter und überflog die Pole der Sonne. Jetzt friert langsam, aber sicher der Treibstoff ein.
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Paris - Die Raumsonde "Ulysses" wird innerhalb der kommenden Wochen einfrieren, da der Hydrazin-Brennstoff der Sonde nicht mehr erwärmt werden kann. Ursache ist eine Fehlfunktion in der Energieversorgung, wie die europäische Raumfahrtbehörde Esa mitteilt. Fällt die Temperatur des Hydrazins unter zwei Grad Celsius, erstarrt es - die Treibstoffleitungen werden unbrauchbar. " Ulysses " umrundete während der vergangenen 17 Jahre die Sonne und schickte Wissenschaftler riesige Datenmengen über den Stern und seinen Einfluss auf den umliegenden Weltraum.

Die Raumsonde wurde im Jahr 1990 mit einem Space Shuttle ins All gebracht und in einen sechs Jahre dauernden Orbit um die Sonne geschickt. Die Kreisbahn führte "Ulysses" vom Zentrum unseres Sonnensystems bis zum Jupiter, wo die Anziehungskraft des Planeten der Sonde genug Schwung gab, um sowohl den Nord- als auch den Südpol der Sonne zu überqueren. Kein anderer Flugkörper hatte das bis dahin geschafft. Mit zunehmender Entfernung von der Sonne sinkt aber auch die Temperatur, weshalb der Hydrazin-Brennstoff jetzt kurz vor dem Erstarren steht.

Seine Hauptenergie erhält "Ulysses" von einem radiothermischen Generator. Er produziert Strom mit Hilfe der Wärme, die beim Zerfall von Plutonium entsteht. Der Zerfall begrenzt aber zugleich die Betriebsdauer des Reaktors. Während der vergangenen Jahre verringerte sich die Energiemenge stetig, weswegen sich die Leiter der Mission vor einiger Zeit dafür entschieden, nicht dauerhaft benötigte Systeme wie die Sendeanlage abzuschalten. Die so gewonnenen 60 Watt sollten zusätzlich für den Betrieb der wissenschaftlichen Messinstrumente und des Heizsystems verwendet werden.

In einem Testlauf im Januar waren die Mitarbeiter der Raumfahrtbehörden aber nicht in der Lage, die Sendeanlage wieder anzustellen. Nach vielen vergeblichen Versuchen glaubt das "Ulysses"-Team nun, dass der Sender verloren ist und die zusätzliche Energie die anderen Systeme nie erreicht hat.

"Wir erwarten, dass einige Teile der Sonde bald zwei Grad erreichen", sagt Richard Marsden, "Ulysses"-Missionsleiter der Esa. Damit würde das Hydrazin, mit dessen Hilfe Kurs, Lage und Drehung der Sonde gesteuert werden können, unbrauchbar werden. "Wir werden bis dahin aber den letzten Tropfen Wissenschaft aus der Mission herausquetschen", so Marsden. Trotz des nahenden Endes können die Betreuer des Flugkörpers dennoch zufrieden sein: "Ulysses" fliegt schon viermal so lange wie erwartet.

mbe/ddp