Sonde "Philae": Zittern vor dem Landemanöver
Geplante Kometenlandung Das Landemodul "Philae" hat "Rosetta" verlassen
Darmstadt - Den Forschern der europäischen Weltraumbehörde Esa stehen bange Momente bevor. In wenigen Stunden soll das "Philae"-Labor auf dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko (kurz "Tschuri") landen. Der erste wichtige Schritt ist nun geglückt: "Philae" hat sich nach zehn Jahren gemeinsamer Reise durchs All von der Raumsonde "Rosetta" gelöst.
Der 100 Kilogramm schwere Lander wird etwa sieben Stunden für die 22,5 Kilometer-Strecke zum Kometen Tschuri brauchen. Bereits nach der Trennung von Raumsonde und Lander brach am Mittwoch im Kontrollzentrum der Esa in Darmstadt Jubel aus. "Wir sind alle froh, dass "Philae" in den Minuten vor der Trennung fehlerfrei funktioniert hat", sagte Andrea Accomazzo, der die "Rosetta"-Mission bei der Esa betreut.
Nun beginnt das bange Warten, ob die Sonde heil auf dem vier Kilometer großen Kometen ankommt. Glückt die Mission, wäre es die erste Landung eines Minilabors auf einem Kometen.
Die "Rosetta"-Mission wird von der Esa als Meilenstein betrachtet. Manche Experten vergleichen das Manöver mit der Mondlandung 1969. Das Vorhaben gilt unter Experten als technisch äußerst gewagt, unter anderem wegen der Bodenbeschaffenheit des Kometen. Zusätzlich erschwert nun ein Defekt das Vorhaben.
Düsen funktionieren nicht
In der Nacht zum Mittwoch stellte sich bei einer Prüfung der "Philae"-Sonde heraus, dass sich das sogenannte Active Descent System nicht einschalten lässt. Dabei handelt es sich um eine Düse, die das Landegerät im Moment des Aufsetzens an die Oberfläche des Kometen drücken soll. Denn dessen Anziehungskraft ist so gering, dass die Sonde nach dem Aufprall wie ein Gummiball wieder ins All zurückspringen könnte.
Beim Aufsetzen der Sonde soll das Fahrwerk den Aufprall abfedern. Eine Harpune und Schrauben an den Füßen sollen "Philae" dann am Kometen fixieren. Der Schuss der Harpune bewirkt allerdings einen Impuls, der die Sonde wieder vom Kometen wegzubewegen droht. Ihm sollte die Kaltgasdüse auf der Oberseite des Landegeräts entgegenwirken. "Sie scheint nicht zu funktionieren", sagte Stephan Ulamec, "Philae"-Projektleiter beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).
Nach "einer Nacht von kritischen Go/No-Go-Entscheidungen" habe man sich aber dennoch dafür entschieden, die Landung am Mittwoch zu versuchen, wie die Esa mitteilte. "Wir werden Glück brauchen, damit wir nicht auf einem Felsbrocken oder einem steilen Abhang landen", sagte Ulamec.
Nächstes Signal in zwei Stunden
Der Ausfall des Active-Descent-Systems war offenbar nicht das einzige Problem, das in der Nacht aufgetaucht ist. "Es gab diverse Schwierigkeiten bei den Vorbereitungen", sagte Esa-Manager Paolo Ferri. "Aber wir haben uns für das 'Go' entschieden." Die Raumsonde befinde sich im korrekten Orbit und funktioniere einwandfrei.
"Philae" wurde wie geplant um 9.35 Uhr deutscher Zeit von "Rosetta" getrennt. Da das Signal von "Rosetta" rund 28 Minuten bis zur Erde braucht, war erst gegen 10.00 Uhr klar, dass der erste Teil der Landung geglückt ist. Nun wird es für zwei Stunden still sein, bis "Philae" eine Kommunikationsverbindung mit "Rosetta" aufbaut.
Mit der Bestätigung der Landung rechnen die Ingenieure zwischen 16.30 Uhr und 17.30 Uhr MEZ. "Wir sind besorgt, aber auch aufgeregt", sagte der für die Landung verantwortliche Forscher Jean-Pierre Bibring. "Wir versuchen nicht jeden Tag, auf einem Kometen zu landen."