Rosetta: Wackelstein auf Komet Tschuri entdeckt - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

30-Meter-Brocken "Rosetta" entdeckt Wackelstein auf Komet Tschuri

Er scheint lose auf der Kometen-Oberfläche zu liegen und sieht aus, als würde er gleich umkippen: Forscher wollen auf Tschuri einen sogenannten Wackelstein entdeckt haben. Ähnliche Formationen gibt es auch auf der Erde.
Steine auf Komet Tschuri: Der Wackelstein balanciert auf dem Rand einer Vertiefung
Steine auf Komet Tschuri: Der Wackelstein balanciert auf dem Rand einer Vertiefung

Steine auf Komet Tschuri: Der Wackelstein balanciert auf dem Rand einer Vertiefung

Foto: ESA/ Rosetta/ MPS for OSIRIS Team MPS/ UPD/ LAM/ IAA/ SSO/ INTA/ UPM/ DASP/ IDA
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die europäische Raumsonde "Rosetta" hat auf der Oberfläche ihres Zielkometen Tschuri eine außergewöhnliche Formation entdeckt: Bilder des "Rosetta"-Kamerasystems "Osiris" zeigen drei gewaltige Brocken auf dem entenförmigen Kometen, von denen einer ein sogenannter Wackelstein sein könnte.

Der 30-Meter-Brocken balanciert auf dem Rand einer Vertiefung, berichtet das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) in Göttingen. Der Brocken habe offenbar eine "nur sehr kleine Auflagefläche" auf der Oberfläche des Kometen 67P/Tschurjumov-Gerasimenko.

Wackelstein auf Tschuri (2): Er ragt säulenartig empor

Wackelstein auf Tschuri (2): Er ragt säulenartig empor

Foto: ESA/ Rosetta/ MPS for OSIRIS Team MPS/ UPD/ LAM/ IAA/ SSO/ INTA/ UPM/ DASP/ IDA

Geologische Formationen dieser Art kommen laut MPS auch auf der Erde vor: Die zum Teil riesigen Gesteinsbrocken berühren den Untergrund nur mit einem winzigen Teil ihrer Oberfläche und muten an, als würden sie jeden Moment umkippen oder herunterfallen. Einige lassen sich in der Tat bewegen und werden dann als Wackelsteine bezeichnet, so die Forscher.

In Deutschland finden sich solche Wackelsteine demnach unter anderem im Bayerischen Wald und im Fichtelgebirge. Oft sind diese Felsbrocken mit Gletschern zu ihrem heutigen Standort gereist. In anderen Fällen trugen Wind und Wasser weicheres Gestein in der Umgebung ab und legten den Wackelstein frei.

Kometen-Aktivität könnte Steine wandern lassen

"Wie der mögliche Wackelstein auf dem Kometen entstanden ist, lässt sich noch nicht sagen", erklärte MPS-Forscher Holger Sierks, der das "Osiris"-Team leitet. Es sei aber denkbar, dass auch auf Tschuri Transportprozesse eine Rolle spielen. So könnten Brocken durch die Aktivität des Kometen, durch die nach und nach Oberflächenmaterial abgetragen und ins All gespuckt wird, an einen neuen Standort wandern.

Die "Osiris"-Wissenschaftler wollen den Wackelstein-Kandidaten nun weiter genau beobachten. Neue Aufnahmen könnten Aufschluss über sein wahres Wesen und möglicherweise auch über seine Entstehung geben.

Die "Rosetta"-Sonde der europäischen Weltraumagentur ESA hatte im August 2014 nach zehnjähriger Reise ihren Zielkometen erreicht und umkreist seither den kleinen Himmelskörper. Im vergangenen November landete "Rosettas" Minilabor "Philae" auf dem Kometen und lieferte gut zwei Tage lang wissenschaftliche Daten, ehe seine Batterien erschöpft waren.

jme/AFP