Satelliten-Start "Integral" sucht kosmische Katastrophen
Wer das Universum im Gammabereich beobachtet, sieht eine Welt voller Katastrophen: Die energiereichste Form der elektromagnetischen Strahlung entsteht zum Beispiel bei enormen Sternexplosionen und wird auch von Materie ausgesandt, die exotischen Schwerkraftfallen wie Neutronensternen oder Schwarzen Löchern zum Opfer fällt.
Die Erde wird glücklicherweise von der Atmosphäre vor Gammastrahlung geschützt. Das bedeutet jedoch auch, dass sich die gewalttätigsten Ereignisse im Kosmos nur außerhalb der Lufthülle beobachten lassen. Genau das soll der europäische Satellit "Integral" (International Gamma Ray Astrophysics Laboratory) leisten. Der Späher wurde am frühen Donnerstagmorgen vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan aus ins All geschossen.
Eine russische Proton-Rakete brachte das Gammastrahlen-Observatorium in eine elliptische Umlaufbahn, und auch die beiden Solarzellenflügel entfalteten sich wie vorgesehen. Überwacht wird der Satellit in den kommenden Jahren vom europäischen Kontrollzentrum in Darmstadt. An dem Projekt sind mehrere europäische Firmen und wissenschaftliche Institute beteiligt, aber auch Forscher aus den USA und Russland.
Seinen Konstrukteuren zufolge ist "Integral" der momentan fortschrittlichste Satellit zur Beobachtung im Gammabereich. Kernstück ist ein Spektrometer, das die energiereiche Strahlung misst. Ein weiteres Instrument soll die bislang schärfsten Aufnahmen in diesem Wellenbereich liefern. Zusätzlich verfügt der Späher noch über eine optische Kamera und ein Röntgeninstrument, mit denen zeitgleich eine umfassende Beobachtung möglich sein soll.
Die beteiligten Wissenschaftler wollen mit "Integral" auch weitere Hinweise auf das Schwarze Loch im Zentrum der Milchstraße sammeln. Heißes Gas, das in den Schwerkraftschlund stürzt, gibt energiereiche Gammastrahlung ab. "Wenn wir solche Erscheinungen entdecken, liefern sie uns Indizien, dass auch unsere Galaxie wie viele andere in der Mitte ein Schwarzes Loch hat", erläutert Missionsleiter Michael Schmidt.