Satellitenbild der Woche: Ausgefranste Arktis - DER SPIEGEL
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Satellitenbild der Woche Ausgefranste Arktis

Dunkler Ozean, wo nur weiße Weite zu sehen sein sollte: Satellitenbilder der Beaufort-See zeigen, wie das arktische Packeis ausfranst. Eine Fläche von der Größe Islands war im Sommer eisfrei, meldet die Nasa. Die Europäer halten gar freie Fahrt zum Nordpol für möglich.
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Normalerweise kommt kein Schiff problemlos von Spitzbergen oder von Nordsibirien aus bis zum Nordpol: Packeis ist im Weg und erschwert so die Durchfahrt, selbst im Sommer. Doch dieses Jahr wäre die Reise wohl ohne Schwierigkeiten möglich gewesen, meint Mark Drinkwater von der Europäischen Raumfahrtorganisation Esa. Das Norpolareis ist nämlich keine geschlossene Eisdecke mehr: In ihm klaffen riesige Löcher, insgesamt so groß wie die Fläche der britischen Inseln, teilte die Esa kürzlich mit. Die Öffnungen im Eis reichten vom Norden Spitzbergens im Nordpolarmeer über die russische Arktis bis hin zum Nordpol. Die Esa spricht von einer Anomalie des Arktischen Sommereises.

Auch auf der anderen Seite der Arktis klaffen Löcher: in der Beaufort-See nördlich der USA und Kanadas. Normalerweise gibt es dort kein offenes Wasser, doch nun ist das Eis nicht mehr dicht an dicht gepackt. Die sogenannte Polynya (russisch für Loch im Eis) habe sich Mitte August 2006 gebildet, gab die das US-amerikanische National Snow and Ice Date Center (NSIDC) bekannt. Nach Angaben der US-Raumfahrtbehörde Nasa sei das Loch im Eis bis zum 11. September auf eine Fläche von etwa 100.000 Quadratkilometern angewachsen. Das ist etwa so groß wie die Fläche Islands.

Wie das Eis aufreißt und so den Blick auf das offene Meer freigibt, zeigt auch dieses Bild des Nasa-Satelliten "Aqua", das Mitte September mit Hilfe des Moderate Resolution Imaging Spectroradiometer (Modis) aufgenommen wurde. Auf dem Bild erscheint die eisfreie Zone blauschwarz; das Eis über der Beaufort-See ist weiß-grau. Auch ist deutlich zu erkennen, dass das Loch keinen glatten Rand hat, sondern regelrecht ausfranst: Hier ist das Eis nicht mehr dicht gepackt. Die bläulichen Schimmer auf der Eisfläche sind laut Nasa Folge der schmelzenden Eisoberfläche.

Das Schmelzwasser werde wieder gefrieren, wenn die Temperaturen vor Ort wieder sinken, glaubt das National Snow and Ice Date Center. Es geht davon aus, das sich die Polynya im Laufe des Winters 2005/2006 schließen werde. Der Nasa-Wissenschaftler Mark Serreze macht nicht alleine die steigenden Temperaturen in der Arktis für das riesige Loch im Eis der Beaufort-See verantwortlich. Er verdächtigt eher Winde: Sie hätten die Oberfläche des Eises auseinandergetrieben. Endgültig geklärt sei die genaue Ursache für die Polynya aber noch nicht. "Klar ist, dass das Eis der Arktis zurückgeht", erklärte die Nasa.

Vor zwei Wochen hatten Forscher der Raumfahrtbehörde in der Fachzeitschrift "Geophysical Research Letters" mitgeteilt: Gerade das sogenannte ewige Eis, also jener Teil des arktischen Packeises, das eigentlich auch im Sommer nicht schmelzen sollte, schrumpft rapide.

fba

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