Satellitenbild der Woche Bunte Flicken zwischen den Gezeiten
Deutsche Touristen kennen den niederländischen Ort Den Helder am ehesten als Fährstadt auf dem Weg zur Insel Texel. Der Marine der Niederlande dient der Hafen schon seit 175 Jahren als Stützpunkt (Bildmitte) - er liegt strategisch günstig zwischen Ijsselmeer und Nordsee. Was die Astronauten an Bord der Internationalen Raumstation (ISS) aber Anfang Mai fotografierten, prägt die Gegend schon wesentlich länger.
Wie bunte Flicken einer Decke stechen die roten und gelben Rechtecke am unteren linken Bildrand ins Auge. Es sind Blumenfelder. Hyazinthen und Tulpen werden in Den Helder kommerziell angebaut. In der frühen Neuzeit wurden die begehrten Blumenzwiebeln gar zum Spekulationsgut.
In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts lief der Handel mit Tulpenzwiebeln - sowie Anleihen und Optionen auf das kostbare Gut - heiß. Im Jahr 1637 kam es infolge der Tulpen-Manie zum Zusammenbruch an der Amsterdamer Börse. Wirtschaftshistoriker sprechen von einer der ersten Spekulationsblasen in der Geschichte. Bis heute lernen Studenten, wie es dazu kommen konnte, dass für besonders seltene Zwiebeln Goldschmuck, Fuhrwerke und ganze Gehöfte den Besitzer wechselten - ob angehende Ökonomen aber auch daraus Lehren ziehen, ist ungewiss.
Noch heute sind die Niederlande der weltgrößte Anbauer von Tulpen. Wie sehr das fruchtbare Ackerland Produkt der See ist, zeigt das Satellitenbild eindrucksvoll: Um die Halbinsel von Den Helder herum erkennt man an den Farbunterschieden des Wassers den Sedimenttransport des Wattenmeers (rechts im Bild). Am oberen Bildrand sieht man die Südspitze der Insel Texel mit ihren angeschwemmte Dünen. Als die Astronauten dieses Foto schossen, befand sich die ISS gerade über dem Ort Dülmen bei Münster - rund 225 südöstlich Den Helders.
stx