Satellitenbild der Woche: Ende eines Wattenmeers - DER SPIEGEL
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Satellitenbild der Woche Ende eines Wattenmeers

Zwei Aufnahmen aus dem All dokumentieren das Verschwinden einer Wattlandschaft vor der südkoreanischen Küste. Durch den Bau eines Damms vor einer Flussmündung verschwindet ein wichtiger Lebensraum für Hunderttausende Zugvögel - unwiederbringlich.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Mensch braucht Platz zum Leben und zum Arbeiten. Und wenn er diesen Platz der Natur abtrotzt, dann zahlen andere Organismen häufig einen hohen Preis dafür. Dies lässt sich derzeit auch in Südkorea im Wattenmeer Saemangeum beobachten. Einige Kilometer vor den Mündungen der Flüsse Dongjin und Mangyeong haben Arbeiter im Lauf der Jahre einen 33 Kilometer langen Damm im Meer errichtet, um Teile des Watts trockenlegen zu können.

Die Aufnahmen des Nasa-Satelliten "Terra" aus den Jahren 2001 und 2006 zeigen, wie der Mensch dem Überflutungsgebiet immer mehr Land abgetrotzt hat. Auf dem Foto vom 31. März 2001 (siehe links) schimmert der Boden vielerorts noch durch das blaue Wasser hindurch, fünf Jahre später liegen beachtliche Flächen oberhalb des Meeresspiegels und sind teilweise bereits kultiviert.

Bei der von Menschenhand veränderten Doppelmündung handelt es sich um ein sogenanntes Ästuar, auch Trichtermündung genannt. Es entsteht, wenn Flüsse in Meere mit starkem Tidenhub auslaufen. Das Flutwasser drängt dann immer wieder weit den Flusslauf hinauf. Dabei transportiert es auch Material vom Ufer weiter flussaufwärts. Folge: Das Flussbett muss häufig ausgebaggert werden, damit es schiffbar bleibt. Beispiele für Ästuare sind die Mündungen von Amazonas, Elbe, Loire und Themse.

Wenn das Saemangeum-Ästuar schließlich weitgehend trockengelegt ist, werden den Anwohnern wohl rund 400 Quadratkilometer zusätzliches Land zur Verfügung stehen. Eine schlechte Nachricht für Hunderttausende Zugvögel, die in den ausgedehnten Wattflächen bislang eine Rast einlegen, um ihre lange Flugreise schließlich gestärkt fortzusetzen. Mehr als ein Jahrzehnt war der Bau des Damms im Saemangeum-Ästuar wegen ökologischer Bedenken durch Gerichte blockiert worden. Im Februar 2006 schließlich entschied der Oberste Gerichtshof Südkoreas im Sinne der Regierung des Landes - für den Damm und gegen den Lebensraum der Zugvögel und anderer Tiere.

hda