Satellitenbild der Woche: Europas hitziger Dezember - DER SPIEGEL
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Satellitenbild der Woche Europas hitziger Dezember

Der diesjährige Winter war bisher einer der wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen - in Europa und Teilen Nordamerikas. Ein Blick auf die Weltkarte der Bodentemperaturen zeigt aber: In vielen Gegenden war dieser Dezember deutlich kühler als der langjährige Durchschnitt.
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Die Kirschbäume in Washington D.C. trieben Blüten. In den Alpen gab es dunkelgrüne Rasenflächen statt pulverig-weißer Hänge. St. Moritz und Val d'Isère mussten die geplanten Rennen des Ski-Weltcups absagen. Bären verzichteten auf den Winterschlaf. Und die selbstgestrickten Socken und die Wollpullis, die unter dem Weihnachtsbaum lagen, landeten sofort im Schrank.

Der Dezember 2006 war einfach zu warm - gefühlte Lufttemperatur hierzulande: zehn Grad Celsius über Null und mehr. Doch auch der Boden war vielerorts wärmer als sonst, wie eine aktuelle Satellitenkarte des Nasa Earth Observatory zeigt.

Leuchtend rot erscheinen auf dieser Weltkarte Mittel- und Osteuropa sowie Sibirien und Skandinavien: Hier war die Bodentemperatur im Dezember 2006 gut zehn Grad Celsius höher als im Durchschnitt der entsprechenden Monate in den Jahren 2000 bis 2005. Eine Temperaturdifferenz von zwei bis drei Grad Celsius signalisiert die Farbe Apricot, wie sie etwa in Westdeutschland und Italien zu sehen ist.

Auch in Zentralkanada und Teilen der USA war es im vergangenen Monat gut zehn Grad Celsius wärmer als im gleichen Zeitraum der fünf Jahre zuvor. Auf dem nordamerikanischen Kontinent gibt es jedoch auch viele Gegenden, in denen der Boden kälter war: Hellblau steht für ein Minus von ein bis zwei Grad Celsius. Schuld an der Abkühlung sind mehrere gewaltige Schneestürme. Deren Schneemassen blieben lange liegen, der Boden fröstelte mehr als sonst.

Grönland und Nordafrika deutlich kälter

Viel kälter als normal war es auf der Südspitze Grönlands und in Ostafrika: Dunkelblau erscheinen jene Flächen, in denen der Boden im Dezember 2006 um etwa zehn Grad Celsius kälter war als es für den Monat typisch ist. In Ostafrika hatte lang andauernder Regen im Herbst 2005 den Boden merklich abgekühlt.

Im Gegensatz zu Lufttemperaturen, die von Wetterstationen und Thermometern am heimischen Fenster gemessen werden, stammen die Angaben für den Boden aus dem All - vom Moderate Resolution Imaging Spectroradiometer (Modis). Das Gerät ist in den "Terra"-Satelliten der US-Raumfahrtbehörde Nasa eingebaut und kann somit die Temperatur jedes Flecken auf der Erdoberfläche messen.

Dass die Satellitenkarte bunt statt nur rot ist, zeigt deutlich: Nicht überall war der Dezember in dem Maße zu warm, wie Mitteleuropäer ihn empfanden. Viele andere Erdbewohner mögen gar angesichts eines ungewöhnlich kalten Winters gestöhnt haben.

Eine Trendaussage - etwa über das Klima - lässt sich aus solchen Momentaufnahmen noch nicht ableiten. "Es besteht immer wieder die Gefahr, zu schnelle Schlüsse aus dem aktuellen Wetter zu ziehen", hatte Uwe Kirsche vom Deutschen Wetterdienst zu SPIEGEL ONLINE gesagt. "Aus Einzelergebnissen kann man nicht auf den Klimawandel schließen." Bei allen Kapriolen: Wetter und Klima sind unterschiedliche Dinge.

fba

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