Satellitenbild der Woche Backbord ahoi!
Meer vor der chinesischen Halbinsel Shandong: Spuren im Wasser
Foto: NASAMehr als 86.000 Handelsschiffe sind auf den Weltmeeren unterwegs - doch auch wenn die Ozeane beinahe als unendliche Weiten erscheinen mögen: An manchen Stellen lassen sich Zusammenstöße nur mit strengen Verkehrsregeln verhindern. Zuständig dafür ist neben den jeweiligen nationalen Behörden die Internationale Seeschifffahrts-Organisation (IMO) in London.
Ein Bild des Satelliten "Landsat 8" zeigt eindrücklich, dass sich solche Schifffahrtsstraßen sogar aus dem All erkennen lassen - unter anderem wegen der Sedimente, die die Schiffe vom Meeresboden aufwirbeln. Der Satellit wird gemeinsam von der US-Weltraumbehörde Nasa und dem Geologischen Dienst der USA (USGS) betrieben. Aus rund 700 Kilometern Höhe nehmen seine Instrumente die Oberfläche der Erde in insgesamt elf Spektralbereichen auf.
Diese Aufnahme zeigt die vergleichsweise flachen Gewässer vor der chinesischen Halbinsel Shandong. Sie liegt zwischen Bohai-Meer und Gelbem Meer. Wer in die riesigen Häfen von Dalian oder Tianjin will, muss hier entlang. Kapitäne auf Nordkurs sind etwas weiter östlich unterwegs als ihre südwärts fahrenden Kollegen.
Wer genau hinsieht, kann auf dem "Landsat"-Bild sogar einzelne Schiffe erkennen, vor allem auf der nach Norden führenden Route. Neben Frachtschiffen sind in dem Gebiet auch Fähren und Fischerboote unterwegs. Haben sie einmal die Shandong-Halbinsel passiert, biegen die meisten nach Nordwesten ab.
Gesunken binnen 40 Minuten
Trotz strenger Verkehrsregeln lassen sich Zusammenstöße nicht ganz ausschließen. Im Mai 2010 kollidierte östlich der Shandong-Halbinsel der Frachter "Bright Century" im Nebel mit dem Frachter "Sea Success". Die "Bright Century" sank binnen 40 Minuten nach dem Zusammenstoß, 170.000 Tonnen australisches Eisenerz an Bord. Ein fünf Kilometer langer und ein Kilometer breiter Ölteppich beschäftigte anschließend die chinesischen Behörden. Immerhin: Kein Seemann kam bei dem Zusammenstoß ums Leben.
Um die Überwachung von Schiffen aus dem All kümmert sich neben kommerziellen Systemen übrigens auch der deutsche Forschungssatellit "AISat". Er konnte bei einem Test die Signale von 52.000 verschiedenen Schiffen weltweit aufspüren. Grundlage hier ist das Automatische Identifizierungssystem (AIS), bei dem Schiffe Angaben über Position, Kennung, Länge und Breite, Ladung, Geschwindigkeit und Richtung übermitteln. Es ist allerdings nur für große Schiffe verpflichtend.