Satellitenbild der Woche So wütet "Tilo"
Der Hafen von Rotterdam ist geschlossen, in Norwegen die Öl- und Gasförderung auf den Plattformen eingestellt, in England wurden Hunderte von Menschen in Sicherheit gebracht. Der Sturm, den "Tilo" brachte, sorgt an den Küsten Nordeuropas für Pegelhöchststände.
Die Aufnahme des Wettersatelliten Meteosat 9 zeigt das Sturmtief "Tilo" aus 36.000 Kilometern Höhe. Der Kern des Orkantiefs lag zu diesem Zeitpunkt über Südschweden. Zu erkennen ist auch das begleitende Starkwindfeld über den Niederlanden und der norddeutschen Küste. Auf der Rückseite, westlich des Tiefs, strömt über die Nordsee massiv kalte Luft nach Zentraleuropa. Man erkennt in dieser Luftmasse deutlich die zahlreichen Schauer.
Hinter dieser Kaltfront von "Tilo" sei zugleich "sehr kalte Polarluft" nach Deutschland eingeflossen, sagte DWD-Meteorologe Andreas Friedrich - und das brachte schon einen vorzeitigen Winter in manche Regionen Deutschlands. Auf der Wasserkuppe, dem Brocken und dem Kahlen Asten fiel schon Schnee. "Das ist aber sicher nur eine Vorhut der weißen Pracht", sagte Friedrich. Am Wochenende werde es vor allem in den Alpen Neuschnee geben. Dann, so Friedrich, müsse man sogar mit Lawinen rechnen.
Ein Sturmtief ist ein Tiefdruckgebiet mit sehr niedrigem Luftdruck in seinem Kern. Es kann nur entstehen, wenn Luftmassen mit großen Temperaturunterschieden in der Vertikalen aufeinandertreffen. Dieser Temperaturunterschied liefert den Hauptteil der Antriebsenergie für den Wirbel, in dem die Windgeschwindigkeiten Orkanstärke erreichen können - im Fall von "Tilo" waren das bis zu 137 Stundenkilometer.
Auch in den nächsten Tagen wird Nordeuropa nicht zur Ruhe kommen: Die Niederlande hatten erstmals überhaupt das 1997 fertiggestellte Sturmflutwehr vor dem Rotterdamer Hafen wegen des hohen Wasserstandes geschlossen. Die beiden je 210 Meter langen getrennten Flügel des riesigen Bauwerks wurden um Mitternacht in den Schifffahrtsweg geschwenkt. Ein Drittel des niederländischen Staatsgebietes liegt unterhalb des Meeresspiegels. Auf dieser Fläche leben zwei Drittel der Bevölkerung.
lub