Satellitenbild der Woche: Tödlicher Teppich - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Satellitenbild der Woche Tödlicher Teppich

Schwarze Strände, zerstörte Muschel- und Fischbestände, verschmierte Seevögel: Ein Tankerunglück vom vergangenen Freitag hat Teile von Südkoreas Küste hart getroffen. Der europäische Satellit Envisat hat die ökologische Tragödie aus dem All beobachtet.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Mehr als 10.000 Tonnen Öl waren aus dem Tanker "Hebei Spirit" ins Meer geflossen, nachdem das Schiff am vergangenen Freitag vor dem Hafen der südkoreanischen Küstenstadt Daesan mit einem Schleppkran kollidiert war. Der Rumpf des Tankers war bei der Kollision an mehreren Stellen durchbohrt worden. Nach Angaben der Küstenwache entstand ein Ölteppich in der Größe von zwei mal 20 Kilometern.

Nach einigem Zögern hat die südkoreanische Regierung die betroffene Region mittlerweile zum Katastrophengebiet erklärt, und den Betroffenen Hilfen in Millionenhöhe versprochen. Zuletzt machten aber starke Winde die Bekämpfung der Ölpest schwierig.

Das am Dienstag dieser Woche aufgenommene Bild stammt vom europäischen Satelliten Envisat. Der acht Tonnen schwere und mehr als zwei Milliarden Euro teure Späher ist der kostspieligste Satellit in der Geschichte der europäischen Weltraumagentur ESA. In diesem Fall lieferte das Radarsystem Asar ("Advanced Synthetic Aperture Radar ") die Daten für die Aufnahme.

Das Asar-System sendet mit einer großen Antenne Radarstrahlen zur Erde, wo sie reflektiert werden. Die Messgeräte der Sonde fangen die zurückgestrahlten Radarechos wieder auf und berechnen daraus ein Bild. Das hat den Vorteil, dass die Messgeräte nicht auf sichtbares Licht angewiesen sind: Envisat kann auch nachts und durch eine dicke Wolkendecke Bilder machen.

Auf dem Bild der koreanischen Küstenregion zeichnen sich große schwarze Bereiche ab. Hier dämpft das auf dem Wasser schwimmende Öl aus dem Tanker die Wellenentstehung auf See. Weil es aber die Wellen wären, die die Radarstrahlen zurück ins All reflektieren, bleiben durch die Ölpest größere Bereiche des Bildes schwarz - und zeichnen sich klar im Vergleich zur helleren See ab.

chs