Saturnmond Iapetus: Galaktischer Mülleimer - DER SPIEGEL
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Saturnmond Iapetus Galaktischer Mülleimer

Der Saturnmond Iapetus zeigt stets ein Janusgesicht - eine Seite weiß, die andere schwarz. Astronomen sind dem Phänomen jetzt auf den Grund gegangen: Die Nachbarmonde laden ihren Dreck auf einer Hälfte von Iapetus ab.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Saturnmond Iapetus erscheint immer als Halbmond - allerdings nicht wegen Schattenwurfs, wie US-Forscher jetzt herausfanden: Die dunkle Seite ist vollkommen verdreckt. Bei seinem Flug durchs All hat der Trabant jede Menge Weltraum-Schmutz aufgesammelt.

Eine Seite liegt immer in Flugrichtung und hat daher den gesamten Dreck abbekommen. Möglich wird dieser ausbleibende Wechsel durch eine dem Erdmond ähnliche Rotation. Für eine Umdrehung um sich selbst benötig Iapetus mit 80 Tagen etwa genauso lang wie für die Umrundung seines Mutterplaneten. "Gebundene Rotation" wird dieses Phänomen genannt.

Die dunkle Seite wird von einer Zentimeter dicken Schicht aus schwarzem Staub und organischem Material bedeckt, wie Gregory Black und seine Kollegen von der University of Virginia in der Fachzeitschrift "Science" (B. 304, S. 553) schreiben. Nachgewiesen haben sie die großflächige Verschmutzung durch Radarmessungen am Arecibo-Observatorium in Puerto Rico.

Auch die Dreckfinken haben die Wissenschaftler schon ausgemacht. Die Nachbarmonde von Iapetus haben wohl Teile ihres atmosphärischen Materials an den drittgrößten Saturnmond - Durchmesser: 1460 Kilometer - abgegeben. Vor allem Titan, der größte Trabant des Planeten, soll die eine Hälfte von Iapetus als galaktischen Mülleimer benutzt haben. Die rückwärtsgewandte Seite erscheint dagegen immer strahlend weiß: Sie besteht hauptsächlich aus Wassereis.

Nebenbei entdeckten Black und sein Team Anzeichen für eine feste Ammoniakschicht auf Iapetus. Von der Verbindung wird vermutet, dass sie bei der Entstehung von Saturn und seinen Monden eine entscheidende Rolle gespielt hat. Frühere Messungen hatten aber keine Hinweise auf Ammoniak erbracht.