Simulation Kometeneinschläge gingen glimpflich aus
Ein gigantischer Koloss rast auf die Erde zu - und der Einschlag wird nicht ohne Folgen für ihre Bewohner bleiben. Wissenschaftler glauben, dass derartige Kollisionen in der Erdgeschichte auch ein massenhaftes Artensterben ausgelöst haben - beispielsweise vor 65 Millionen Jahren, als die Dinosaurier endgültig von der Erde verschwanden - eine Hypothese, die freilich umstritten ist.
Neben felsigen Asteroiden sind auch gigantische Kometen Kandidaten für so einen fatalen Crash mit der Erde. Forscher der University of Washington haben nun simuliert, welche Gefahren Kometen in den vergangenen 1,2 Milliarden Jahren für die Erde darstellten. Ihr Fazit: Es dürfte kaum mehr als zwei oder drei große Einschläge gegeben haben. Kometen haben demnach kaum Massenaussterben auf der Erde ausgelöst, schreiben Nathan Kaib und seine Kollegen im Fachblatt "Science" .
Entsprungen einer riesigen Wolke
Die Forscher konzentrierten sich in ihrer Studie auf langperiodische Kometen, die Umlaufzeiten von mindestens 200 Jahren bis zu Millionen Jahren um die Sonne haben. Der innere Bereich des Sonnensystems, und damit auch die Erde, wird durch die großen Planeten Jupiter und Saturn in der Regel gut vor derartigen Kometen, aber auch Meteoriten geschützt. Das Gravitationsfeld der Planeten kann heranfliegende Objekte zurück in den interstellaren Raum schicken - oder sie sogar auf einen Einschlagskurs zwingen, wie erst am 20. Juli geschehen, als Astronomen einen dunklen Punkt auf der Jupiteroberfläche entdeckten.
3200 langperiodische Kometen sind derzeit bekannt, darunter Hale-Bopp, der 1996 und 1997 gut mit bloßem Auge erkennbar war. All diese Kometen stammen aus der sogenannten Oortschen Wolke, den Resten des Nebels, aus denen vor 4,5 Milliarden Jahren das Sonnensystem entstand. Die Oortsche Wolke umschließt das Sonnensystem wie eine Schale, beginnt etwa bei 300 bis 1000 Astronomischen Einheiten (AE, entspricht dem Abstand Erde-Sonne) und ist bis zu drei Lichtjahre breit.
Bislang glaubten Forscher, dass praktisch alle Kometen, die der Erde nahe kommen können, aus dem äußeren Bereich der Oortschen Wolke stammen. Nur wenn sich zufällig ein Stern in der Nähe befindet, kann durch den Einfluss seines Gravitationsfeldes auch ein Komet aus dem inneren Segment der Oortschen Wolke auf einen erdnahen Kurs gebracht werden, dachten Astronomen.
Die Simulationen der US-Forscher haben jedoch ergeben, dass dies nicht stimmt. Das Innere der Oortschen Wolke sei vielmehr eine wichtige Kometenquelle, schreiben sie. Unter der Annahme, dass die Wolke der alleinige Ursprung langlebiger Kometen ist, konnten Kaib und seine Kollegen die maximal mögliche Zahl der Schweifsterne berechnen. In den vergangenen 500 Millionen Jahren dürften es demnach nur zwei bis drei größere Kometen bis zur Erde geschafft haben. Nach Meinung der Forscher zu wenige, um ein Massenaussterben auszulösen. Ein typischer kleinerer Einschlag war beispielsweise das Tunguska-Ereignis im Jahr 1908.
Auch die Beschützerrolle der beiden Großplaneten war Teil der Simulation. "Wir zeigen, dass Jupiter und Saturn nicht perfekt sind", sagt Kaib. Die meisten Kometen aus dem Inneren der Oortschen Wolke würden von ihnen abgefangen, aber manche schafften es doch, sich an den Planeten vorbeizumogeln.
Der wohl bekannteste Komet der Menschheitsgeschichte, Halley, gehört übrigens nicht zu den hier untersuchten. Sein Orbit dauert nur 75 Jahre, die meisten dieser kurzperiodischen Schweifsterne haben ihren Ursprung im Kuiper-Gürtel.