Sonde gestartet Einstein wird auf die Probe gestellt
Gestern Abend kurz vor 19 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit klappte der Start endlich. Eine Delta-II-Trägerrakete hob vom kalifornischen Luftwaffenstützpunkt Vandenberg ab und brachte die Forschungssonde "Gravity Probe B" ins All. Sie soll 18 Monate lang die Erde in 640 Kilometern Entfernung umkreisen.
Über 40 Jahre tüftelten amerikanische Forscher an einer Experimentieranordnung für die Raumsonde, die zwei wichtige Aussagen aus Einsteins Relativitätstheorie überprüfen soll. Konkret geht es die Krümmung der Raumzeit und zum anderen um ihre "Verwirbelung" durch die rotierende Erde. Kern des Experiments sind vier so genannte Gyroskope. Dabei handelt es sich um absolut runde, sich drehende Quarzkugeln von der Größe von Tischtennisbällen.
Um höchste Genauigkeit zu gewährleisten, befinden sich die Kugeln in einem Vakuumbehälter; die Temperatur liegt nahe dem absoluten Nullpunkt von minus 273 Grad Celsius. Es sei die ruhigste Umgebung, die es je gegeben habe, sagte Anne Kinney, Direktorin der Nasa-Abteilung für Astronomie und Physik.
Sobald "Gravity Probe B" die Umlaufbahn erreicht hat, werden die Kugeln in eine Rotation versetzt. Wenn sich die Richtung der Rotationsachse im Laufe eines Umlaufs ändert, wären Einsteins Vorhersagen richtig.
Einstein entwickelte 1916 die Idee, dass Raum und Zeit eine Struktur bilden, die sich durch den Einfluss von Gravitation ändert. Die Krümmung der Raumzeit gehört zu den Kernpunkten der Allgemeinen Relativitätstheorie.
Zwei Jahre später schlugen andere Forscher vor, dass ein rotierendes Objekt Zeit und Raum mit sich ziehen und deren Struktur verformen müsste. Wenn diese Theorien stimmen, müsste sich die Ausrichtung der Kugeln 640 Kilometer über der Erde messbar ändern.