Space Shuttle: "Discovery" betankt und startklar - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Space Shuttle "Discovery" betankt und startklar

Die Chancen für ein planmäßigen Start der Raumfähre "Discovery" sind gestiegen. Nach einer Wetterbesserung hat die Nasa den Space Shuttle betankt und startklar gemacht. Umstritten ist weiterhin, wie sicher der Flug mit der "Discovery" ist.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Cape Canaveral - Die Wettervorhersagen haben sich ins Positive gedreht, technische Schwierigkeiten sind bislang ausgeblieben: Die Vorbereitungen für den Start der "Discovery" verlaufen nach Plan. Um 12 Uhr deutscher Zeit wurde der Shuttle für den ersten Flug seit einem Jahr aufgetankt, um 21.49 Uhr MESZ soll er zur Internationalen Raumstation (ISS) abheben.

Letzte Unsicherheiten wegen des Wetters blieben aber. Meteorologen der US-Raumfahrtbehörde Nasa sagten, die Chancen für den planmäßigen Start seien auf 60 zu 40 gestiegen. Der neuen Prognose zufolge wird eine heranziehende Sturmfront wahrscheinlich Cape Canaveral nicht bis zum geplanten Start der Raumfähre erreichen. Sollten Unwetter die Nasa zu einer Verschiebung zwingen, wäre ein Start auch noch am Sonntag oder Dienstag möglich. Die Nasa überträgt den Start auf ihrer Nasa-TV-Website . Auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt  plant einen Live-Webstream des Ereignisses.

Es wäre erst der zweite Raumfährenstart seit dem "Columbia"-Absturz im Februar 2003, bei dem sieben Astronauten starben. Die "Discovery" flog im Juli vergangenen Jahres zum ersten und letzten Mal seit dem Unfall ins All. Die Besatzung kehrte zwar sicher zur Erde zurück, ihr Einsatz war aber alles andere als reibungslos verlaufen.

Ungute Erinnerungen an letzte "Discovery"-Mission

Zunächst brachen beim Start erneut Stücke der Schaumstoff-Isolierung des Haupttanks ab. Nur Glück verhinderte, dass ein großer Brocken die Raumfähre traf. Im Februar 2003 hatte ein solches Schaumstoffstück ein Loch in einen der Flügel der "Columbia" geschlagen und den Absturz des Shuttles beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre verursacht.

Beim letzten Einsatz der "Discovery" stellte sich auch heraus, dass das Problem mit den Kacheln des Hitzeschilds noch nicht gelöst war. Die Astronauten mussten in einem spektakulären Außeneinsatz den Schaden reparieren und haben bei dieser Gelegenheit auch beeindruckende Fotos der Raumfähre geschossen.

Obwohl die Nasa inzwischen mehr als eine Milliarde Dollar in technische Verbesserungen der Space Shuttles gesteckt hat, rechnen Experten auch jetzt wieder damit, dass beim Start der "Discovery" Stücke des Isolierschaums abbrechen werden. "Wir erwarten das", sagt der für den Zusatztank verantwortliche Nasa-Manager John Chapman. "Unser Ziel ist es, dafür zu sorgen, dass sie klein genug sind, damit sie keinen Schaden anrichten können."

Sicherheitschef Bryan O'Connor und Chefingenieur Chris Scolese halten diese Aussage für nicht befriedigend. Sie haben sich öffentlich gegen den Start der "Discovery" gestellt und verlangt, die nach wie vor bestehenden Probleme zu lösen, bevor man die Raumfähre wieder auf die Reise schickt. Nasa-Chef Michael Griffin habe sich über die Bedenken hinweggesetzt und das Risiko "sehenden Auges" auf sich genommen, kritisierten O'Connor und Scolese.

Reiter soll sechs Monate an Bord der ISS bleiben

An Bord der Raumfähre ist auch der deutsche Astronaut Thomas Reiter. Er soll als erster Vertreter der Europäischen Raumfahrtbehörde (Esa) fast sechs Monate in der Internationalen Weltraumstation (ISS) verbringen. Wenn alles planmäßig verläuft, wird die "Discovery" am Montag an der ISS andocken.

Der 48-jährige Reiter soll bis Dezember an Bord der Raumstation bleiben und verschiedene wissenschaftliche Experimente durchführen. Auf dem Programm des Esa-Astronauten, der bereits in der russischen Raumstation "Mir" eine Langzeitmission durchführte, steht zudem ein Einsatz im Weltraum. Mit der Ankunft Reiters soll die Besatzung der ISS wieder dauerhaft auf drei Astronauten aufgestockt werden. Wegen des Ausfalls der Shuttle-Flüge nach der "Columbia"-Katastrophe war sie auf zwei Personen verkleinert worden.

Der Einsatz der "Discovery" soll bis zu 13 Tage dauern. Wenn alles glatt geht, sind zwei weitere Starts in diesem Jahr und auf lange Sicht die Fertigstellung der ISS geplant. Ein Ende des Shuttle-Programms könnte dieses Vorhaben gefährden.

mbe/AP/rtr

Verwandte Artikel