Spektakuläre Fotos: Mars-Krater verraten begrabenes Eis - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Spektakuläre Fotos Mars-Krater verraten begrabenes Eis

Der europäische Satellit "Mars Express" hat erneut beeindruckende Fotos vom Roten Planeten zur Erde geschickt. Die 3D-Bilder zeigen gewaltige Einschlagskrater - und verraten auch Eisvorkommen unter der Oberfläche.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Es muss ein infernalischer Anblick gewesen sein: Vor vielen Jahrtausenden krachte ein Meteorit auf den Mars und riss ein Loch von 20 Kilometern Durchmesser in die Oberfläche des Planeten. Gewaltige Gesteinsbrocken wurden weggesprengt, stürzten wieder herunter und schlugen ihrerseits kleinere Sekundärkrater.

Jetzt hat die europäische Raumsonde "Mars Express" mit ihrer an der Freien Universität Berlin entwickelten HRSC-Kamera das Gebiet ins Visier genommen. Dabei stellte sich heraus, dass bei dem Einschlag in ferner Vergangenheit offenbar nicht nur Gestein aufgewirbelt wurde, sondern auch Wasser.

Die Region Hephaestus Fossae, benannt nach dem griechischen Feuergott Hephaistos, ist von längst ausgetrockneten Kanälen durchzogen. Wie sie entstanden sind, ist nach Angaben des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) noch nicht endgültig geklärt. Vieles spricht jedoch dafür, dass Eis in Hohlräumen unter der Oberfläche eine Rolle gespielt hat.

Der 20-Kilometer-Krater auf dem jüngsten "Mars Express"-Foto liegt genau in einem solchen Kanal - und seine Umgebung ist verräterisch. Bei gewöhnlichen Meteoriteneinschlägen wird Gesteinsmaterial weggesprengt und geht strahlenförmig in der Umgebung nieder. In diesem Fall aber ist der Krater von einem Ring aus offenbar weicherem Material umgeben. Er sieht aus, als hätte jemand einen gewaltigen Stein in matschigen Boden geworfen.

Experten gehen davon aus, dass sich der größte Teil des auf dem Mars gefrorenen Wassers in Hohlräumen unter der Oberfläche befindet. Und möglicherweise wurde bei dem nun fotografierten Krater ein solches Reservoir getroffen. Die Kanäle in der Umgebung lassen das vermuten, so das DLR. In diesem Fall wären nicht nur dicke Gesteinsbrocken weggeflogen, sondern es hätten sich - bedingt durch die Hitze, die bei einem solchen Einschlag entsteht - auch große Eismengen verflüssigt und sich mit dem Erdreich zu einer matschigen Melange verbunden.

Die kleinen Krater zeigen hingegen keine Auswurfdecken mit Fließformen. Das lege den Verdacht nahe, dass sie nicht tief genug reichten, um ebenfalls auf Eis zu treffen. Deshalb ist es nach Meinung der beteiligten Forscher möglich, anhand der unterschiedlichen Einschlagskrater abzuschätzen, in welcher Tiefe sich ein Eisreservoir befindet.

mbe