Tod einer Raumsonde: Am Ende verglühte "Galileo" - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Tod einer Raumsonde Am Ende verglühte "Galileo"

Die Nasa-Sonde "Galileo" ist in der Nacht zum Montag wie geplant in der Jupiter-Atmosphäre verglüht. Sie war insgesamt 14 Jahre im All im Einsatz.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Galileo" sei mit einer Geschwindigkeit von etwa 170.000 Kilometern pro Stunde auf den Planeten Jupiter gerast und dann kontrolliert abgestürzt, teilte die Nasa mit. Die deutsch-amerikanische Weltraumsonde lieferte auf ihrem mehr als 4,6 Milliarden Kilometer langen Flug durchs All wichtige Erkenntnisse über den Jupiter und seine Monde. Am 18. Oktober 1989 setzte die Raumfähre "Atlantis" die Sonde im Orbit aus und brachte sie damit auf die lange Reise zum Jupiter. Angetrieben wurde "Galileo" von einem in Deutschland gebauten Motor, der aus einem 3,5 Kilogramm schweren Haupt- und zwölf nur 300 Gramm schweren Zusatztriebwerken besteht.

Platz in der ersten Reihe bei Kometen-Crash

Fotostrecke

Ende einer Mission: Galileos feuriger Abschied

Foto: AP/ NASA/ JPL

Zum einzig echten Rückschlag der Mission kam es im April 1991, als die aus Wärmeschutzgründen zusammengefaltete fünf Meter lange Hauptantenne halb offen stecken blieb. Monatelang bemühte sich die Bodenkontrolle vergeblich, die Antenne zu entfalten. Doch dann gelang es den Wissenschaftlern schließlich, die Instrumente so umzuprogrammieren, dass die meisten Daten ohne größeren Qualitätsverlust über die Zusatzantenne zur 900 Millionen Kilometer entfernten Erde zurückgefunkt werden konnten. Im Juli 1994 war "Galileo" bereits nahe genug am Jupiter, um der einzige Zeuge vom Aufschlag des Kometen Shoemaker-Levy 9 auf der von der Erde abgewandten Seite des Gasplaneten zu werden. Und nach mehr als sechs Jahren, am 7. Dezember 1995, erreichte "Galileo" schließlich den Jupiter. Zu den frühen Erfolgen der Mission gehörte die erste Entsendung eine Mini-Sonde in die Wolkenhülle des Riesenplaneten. 90 Minuten lang funkte sie Daten aus der Jupiter-Atmosphäre.

Mit ihren 17 Instrumenten, von denen auch drei in Deutschland gebaut wurden, lieferte die Sonde unübertroffene Daten. Wissenschaftler sprachen im Vergleich zu den Voyager- und Pioneer-Missionen der siebziger Jahre von einem Qualitätssprung.

Ozean unter Europas Eiskruste

Neben der Erkundung des Jupiters widmete sich "Galileo" auch der Erforschung der Monde des riesigen Planeten und machte hier ihre aufregendsten Entdeckungen. So lieferte die Sonde Hinweise auf einen Ozean unter der Eiskruste des Mondes Europa und nährte damit Spekulationen, dass dort Leben entstanden sein könnte.

Gerade diese Entdeckung war aber auch zugleich das Todesurteil der Sonde. Nach mehrmaligen Verlängerungen der Mission war der Hydrazin-Treibstoff praktisch bis auf den letzten Tropfen aufgebraucht. Die Nasa befürchtete, dass die Sonde ohne Antrieb schnell außer Kontrolle geraten und dann auf Europa stürzen könnte.

Da dort aber Lebensspuren vermutet werden, wollten die Wissenschaftler verhindern, dass Mikroben-Überreste von der Erde den Jupitermond kontaminieren. Deshalb entschlossen sie sich zu dem kontrollierten Absturz in die Jupiter-Atmosphäre.

Mehr lesen über