Urknall: Licht am Ende des Kosmos - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Urknall Licht am Ende des Kosmos

Auch 2002 war ein gutes Jahr für die Anhänger der Urknall-Theorie. Gleich mehrere Beobachtungen konnten die Idee eines sich kontinuierlich ausdehnenden Universums belegen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Urknall lag gerade einmal 300.000 Jahre zurück, da wurde es hell im Universum. Die zuvor frei durch den Raum fliegenden Elektronen, Protonen und Neutronen fanden sich zu Atomen zusammen; die undurchsichtige Ursuppe wurde transparent. Und während die Elektronen von den Atomkernen eingefangen wurden und niedrigere Energieniveaus einnahmen, entstand jede Menge Licht - Licht, das heute noch sichtbar ist.

Die 14 Milliarden Lichtjahre, die die atomaren Blitze seitdem zurückgelegt haben, haben das Licht allerdings verändert. Durch die Ausdehnung des Universums wurde seine Wellenlänge extrem vergrößert. Heutzutage registrieren hochempfindliche Teleskope die Spuren des Urknalls als schwache Hintergrundstrahlung im Mikrowellenbereich.

Bereits in den vergangenen beiden Jahren stellten Astronomen mit erdgebundenen und im Weltraum schwebenden Teleskopen fest, dass der kosmische Mikrowellenhintergrund alles andere als gleichförmig ist. Im Mai nun konnte der "Cosmic Background Imager" in den chilenischen Anden Fluktuationen nachweisen, die kleiner als alles bisher gesehene waren. Diese Schwankungen im Hintergrundrauschen werden von Wissenschaftlern als Kristallisationskeime späterer Galaxien angesehen. Zudem legen die Aufnahmen nahe, dass das Universum flach ist und sich kontinuierlich ausdehnt.

Der größte Triumph ist den Erforschern der Hintergrundstrahlung allerdings in der Antarktis gelungen. Ein dort aufgestelltes Teleskop registrierte erstmals, dass die kosmische Strahlung polarisiert ist, also in einer bestimmten Ebene schwingt. Eine beruhigende Erkenntnis, denn wären die auf der Erde eingefangenen Mikrowellen nicht polarisiert, müssten Astronomen ihre Theorie von der Entstehung des Universums überdenken.

Stattdessen bringt die antarktische Entdeckung die Himmelsforscher möglicherweise einen großen Schritt nach vorn. Sollte es gelingen, die Polarisation genauer zu vermessen, könnte das Hinweise auf die Gravitationskräfte in den ersten Sekunden nach dem Urknall liefern. Damit wäre es möglich, die Struktur des ganz jungen Universums besser zu verstehen.