Weckruf an Kometenlander "Philae", bitte melde dich!
Landeapparat "Philae" (Zeichnung): Aufwachen erfordert Wärme und Solarstrom
Foto: DPA/ ESA/ ATG medialabHamburg - Die Landung auf dem Kometen war ein Riesenerfolg. Doch sie lief anders ab als geplant. Denn der Landeapparat "Philae" kam nicht in einer flachen Wüste, sondern in einer mit großen Felsbrocken übersäten Landschaft zum Stehen. Dort, das stellten die Wissenschaftler schnell fest, fehlte das Sonnenlicht, um die Bordbatterie mit Solarzellen ständig wiederaufzuladen. "Philae" musste abgeschaltet werden.
Doch der Komet 67P/Tschurjumov-Gerasimenko, kurz Tschuri, nähert sich immer weiter der Sonne - und damit auch der auf ihm stehende Landeapparat "Philae". Und das lässt die Wissenschaftler hoffen. "'Philae' erhält zurzeit ungefähr doppelt so viel Sonnenenergie wie im November vergangenen Jahres", erklärte der Lander-Projektleiter Stephan Ulamec vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) Köln. Wahrscheinlich werde es zum Aufwachen noch zu kalt für "Philae" sein - "aber einen Versuch ist es wert. Die Chancen steigen mit jedem Tag."
Von Donnerstag an versuchen Forscher deswegen, Kontakt mit der verstummten Forschungssonde aufzunehmen. "Philae" hatte sich am 12. November planmäßig von ihrer Muttersonde "Rosetta" gelöst und war auf die Oberfläche ihres Zielkometen Tschuri herabgesunken. Allerdings kam die kühlschrankgroße Sonde erst nach zwei Hüpfern und der leichten Berührung eines Felsbrockens abseits des ursprünglich vorgesehenen Landeplatzes zum Stehen. Da sie dort zu wenig Sonnenenergie erhält, waren ihre Batterien bereits nach 56 Stunden wissenschaftlicher Arbeit erschöpft.
5,5 Watt Strom nötig
Laut DLR müssen gleich mehrere Bedingungen erfüllt sein, damit "Philae" wieder in Betrieb geht. Zunächst muss es im Inneren der Sonde wärmer als minus 45 Grad Celsius werden. An ihrem Landeplatz bekommt die Sonde aber insgesamt vergleichsweise wenig Sonne - deshalb waren die Temperaturen bisher deutlich niedriger als notwendig.
Mission "Rosetta": Annäherung an den Kometen
Damit das Minilabor auf Tschuri aufwacht, muss "Philae" zudem über ihre Solarpaneele mindestens mit 5,5 Watt versorgt werden, wie das DLR weiter berichtete. Der Lander sei "so konstruiert, dass er seit November 2014 jedes bisschen Sonnenenergie dafür nutzt, sich aufzuheizen", erläuterte Koen Geurts vom DLR-Kontrollzentrum.
Sobald der Lander mehr als 5,5 Watt Energie erhalte und seine eigene Temperatur über minus 45 Grad liege, schalte sich "Philae" ein, heize sich weiter auf und versuche zusätzlich, seine Batterie zu laden. Einmal aufgewacht, schaltet der Lander alle 30 Minuten seinen Empfänger ein und lauscht, ob er Signale seiner Muttersonde "Rosetta" aus der Umlaufbahn des Kometen hört.
"Zu diesem Zeitpunkt wissen wir aber noch nicht, dass er wach ist", erklärte der DLR-Ingenieur Geurts. "Um uns eine Antwort zu schicken, muss Philae nämlich auch seinen Sender einschalten - und dafür benötigt er zusätzliche Energie." Es könne also sein, dass der Lander zwar bereits aus seinem Winterschlaf aufgewacht sei, seine Kraft aber noch nicht ausreiche, um sein Team auf der Erde darüber zu informieren.
Landeplatz unbekannt
Zunächst bis Freitag nächster Woche wird "Rosetta" den Lander anfunken und auf eine Reaktion horchen. "Sollten wir bis zum 20. März keinen Kontakt zu 'Philae' aufbauen können, werden wir dies bei der nächsten Gelegenheit wiederholen", sagte "Philae"-Projektleiter Ulamec.
Noch immer ist übrigens nicht ganz klar, wo "Philae" nach der Landung genau abgeblieben ist. Gefunden wurde das Mini-Labor auch bei dem Vorbeiflug in nur sechs Kilometern Abstand Mitte Februar nicht - konnte es auch nicht. "Wir sind über die andere Seite des Kometen geflogen", sagte "Rosetta"-Flugdirektor Andrea Accomazzo von der Europäischen Raumfahrtagentur Esa. "Wir hatten gar keine Chance."