Toyota iQ: Die sechs Schrumpftricks des Herrn Nakajima - DER SPIEGEL
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Toyota iQ Die sechs Schrumpftricks des Herrn Nakajima

Der Toyota iQ ist nur um ein DIN-A4-Blatt länger als der Smart, hat aber Platz für vier Leute. Möglich wurde der "kleinste Viersitzer der Welt", weil die Entwickler um Chefingenieur Hiroki Nakajima mit sechs Tricks den verfügbaren Raum so effizient nutzten wie noch nie.
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Es kommt eben doch auf die Größe an. Weil Hiroki Nakajima der längste Ingenieur unter den Top-Techniker bei Toyota ist, erhielt er den Auftrag, das Entwicklungsteam für das bislang kleinste Modell der japanischen Marke zu leiten. "Meine Vorgesetzten waren der Meinung, mit 1,85 Metern Körpergröße sei ich prädestiniert für die Konstruktion eines Autos, das extrem klein ist, in dem ich aber selbst noch bequem sitzen kann", sagt Nakajima. Seit 2003 tüftelte der Mann, unterstützt von zeitweise 500 Mitarbeitern, an dem Auto, das ab 24. Januar bei den deutschen Toyota-Händlern stehen wird: dem Kleinstwagen iQ.

Bislang galt im Toyota-Konzern Kaizen, die stetige Verbesserung der Produkte und Produktionsmethoden, als zentrales Anliegen. Beim iQ allerdings hätte diese Vorgehensweise nichts genutzt, also schwenkten Nakajima und sein Team auf Kakushin um – was soviel bedeutet wie radikale Veränderung. Sechs solcher Neuerungen, so der Chefingenieur, hätten das Auto in dieser Kompaktheit erst möglich gemacht.

Das Differenzial etwa, sonst hinter dem Getriebe angeordnet, wurde im iQ vor den Motor und das Räderwerk verlegt. Das Lenkgetriebe wiederum wanderte im Motorraum ganz nach oben; der nur zwölf Zentimeter hohe Tank sitzt unter den Vordersitzen; die Sitzlehnen fallen sehr viel schlanker aus als bei herkömmlichem Autogestühl; die Klimaanlage schrumpfte um rund ein Viertel, was es schließlich ermöglichte – die sechste, platzsparende Innovation – das Armaturenbrett asymmetrisch zu gestalten. Das hat zur Folge, dass auf der Beifahrerseite zwei Erwachsene hintereinander sitzen können, und links hinter dem Fahrer immerhin noch ein Kind ordentlich Platz findet.

Drei Erwachsene sitzen zwar eng, aber akzeptabel

Für lange Reisen zu dritt oder viert wäre der iQ sicher die falsche Wahl. Doch nach der ersten Hundert-Kilometer-Testfahrt von SPIEGEL ONLINE mit insgesamt drei Erwachsenen an Bord gab es keinerlei Beschwerden über mangelnde Bequemlichkeit. Im Gegenteil: In vielen Coupés ist der Fond enger und der Zustieg nach hinten beschwerlicher. Außerdem lassen sich die hinteren Sitzlehnen umklappen, so dass der Stauraum von kläglichen 32 auf immerhin 238 Liter vergrößert werden kann.

Noch überraschender als das Raumempfinden ist das Fahrgefühl. Wer den gedrungenen, ungewöhnlich proportionierten Wagen sieht, denkt erst einmal an eine Minimal-Fahrzelle zum reinen Vorwärtskommen. Sitzt man dann drinnen und fährt los, wird klar, dass dies eine Fehleinschätzung war. Denn der iQ bewegt sich – immer gemessen am Durchschnitt der Kleinwagenklasse – überaus souverän, flott und ruhig. Auch bei der möglichen Höchstgeschwindigkeit von 150 km/h kommt keinerlei Nervosität in Lenkung oder Fahrwerk auf. Und ein Wendekreis von 7,80 Meter ist in quirligen Innenstädten höchst praktisch.

Ein kleines Auto, mit durchaus großem Durst

Wir kurvten mit dem Modell umher, das von einem Ein-Liter-Dreizylinder-Benziner mit 68 PS bewegt wird. Ein Motor, der gut zum Auto passt und für den sich wohl die allermeisten der von Toyota prognostizierten 10.000 Kunden in Deutschland pro Jahr entscheiden werden. Als Durchschnittsverbrauch gibt der Hersteller 4,3 Liter an, was 99 Gramm CO2 pro Kilometer entspräche. Der Bordcomputer unseres Testautos meldete am Ende der Fahrt allerdings 6,4 Liter – das ist kein Schritt vorwärts auf dem Weg zu einer sparsameren Mobilität.

Als Alternativen bietet Toyota noch einen 1,4-Liter-Vierzylinder-Dieselmotor mit 90 PS an, und ab Mai 2009 soll ein neuer 1,3-Liter-Benziner mit Start-Stopp-Automatik die Antriebsauswahl ergänzen. Als Getriebe stehen Fünf- und Sechsgang-Schalter (letzterer für den Diesel) sowie eine neue, stufenlose Automatik (für den Benziner) zur Wahl.

Kein Sparmodell, sondern ein Trendmobil

Der Toyota iQ soll ganz anders sein als andere Autos, und er ist es zu großen Teilen ja auch, er ist aber nicht als Sparmodell gedacht. Schon eher als Spaß- und Trendmobil für "New Yuppies" und "Responsible Socialities", wie Produktmanagerin Veronika Stankewitz die angepeilten Kundengruppen nennt. Was diese Leute bislang fahren? "Zu großen Teilen Smart", sagt Frau Stankewitz. Weil in diesen Kreisen das Auto eher cooles Accessoire als notwendiges Fortbewegungsmittel ist, sind die Preise selbstbewusst kalkuliert. 12.700 Euro kostet der günstigste iQ. Das höhere Ausstattungsniveau iQ+ wird mit 1400 Euro Aufpreis berechnet.

Allerdings ist auch das Grundmodell schon recht eindrucksvoll bestückt. Klimaanlage, Radio-CD-Spieler, 15-Zoll-Räder, ESP, ABS und neun Airbags sind Standard in allen Varianten. "Wir erwarten ein Fünf-Sterne-Ergebnis im Euro-NCAP-Crashtest", sagt Chefentwickler Nakajima. "Und wir erwarten, dass sich die Kundschaft ein möglichst individuelles Auto wünscht – darauf sind wir vorbereitet." In Kürze sollen zahlreiche Farb-, Material- und Designalternativen für innen und außen erhältlich sein. Zum Start allerdings gibt es den iQ nur in den Lacktönen Weiß, Schwarz oder "dunkel amethyst metallic" – zu Deutsch: Lila.

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