Kia Cee'd: Endlich angekommen
Kia Cee'd Die Saat ist aufgegangen
Das Auto überraschte durchaus auch Experten. Als Kia im Sommer 2007 einen Konkurrenten zum VW Golf auf den Markt brachte - ein Modell mit dem merkwürdigen Namen Cee'd - hatten die Wettbewerber für das Auto nur ein müdes Lächeln übrig. Doch mit solider Technik, attraktiven Preisen und einer konkurrenzlos langen Garantie von sieben Jahren drehte Kia der Konkurrenz eine lange Nase. Allein in Deutschland wurden bislang fast 40.000 Cee'd zugelassen, und im ersten Halbjahr 2009 rangiert der in der Slowakei gebaute Kompaktwagen mit fast 11.800 Zulassungen noch vor Modellen wie Peugeot 308 (10.400 Zulassungen), Toyota Auris (9000 Zulassungen), Honda Civic (7000) oder Fiat Bravo (3700).
Die Saat, Cee'd soll ja an das englische Wort für Saat erinnern, ist also aufgegangen. Jetzt soll das noch zarte Pflänzchen weiter wachsen. Deshalb bekommt der Wagen bereits nach nicht einmal drei Jahren ein gründliches Facelift. Die neuen Modelle feiern ihre Premiere auf der IAA in Frankfurt und stehen unmittelbar danach auch bei den Händlern.
Wie der kultige Kastenwagen Soul und der neue SUV Sorento trägt auch der Cee'd jetzt die Optik, die der bei VW abgeworbene Designchef Peter Schreyer künftig allen Kia-Typen an den Bug modellieren will, um damit die Markenidentität zu schärfen. Der glänzend verchromte Kühlergrill wirkt fast wie eine Rasierklinge und die Scheinwerfer etwas zu groß geratenen. Dazu gibt es, wie immer bei einem Facelift, auch neue Deckgläser für die Rückleuchten, die jetzt funkeln, als strahlten darunter statt herkömmlicher Glühbirnen moderne, aber teure Leuchtdioden. Die Änderungen halten zunächst beim Fünftürer und beim Kombi Einzug, der den Namenszusatz Sporty Wagon trägt. Der Pro Cee'd genannte Dreitürer als jüngster Spross der Familie bleibt äußerlich zunächst unverändert.
Innen dagegen haben Schreyer und sein Design-Team bei allen drei Varianten noch einmal nachpoliert, die Instrumente klarer gestaltet, die Mittelkonsole aufgeräumt, die Ablagen vergrößert und ein schönes neues Lenkrad mit vier Speichen und vielen praktischen Knöpfen gestaltet. Nur bei der Materialauswahl kann der Cee'd mit der Konkurrenz noch immer nicht recht mithalten.
Unverändert komplett und konkurrenzlos ist die dagegen die Ausstattung des Wagens. Sechs Airbags, aktive Kopfstützen und ESP sind bei einem Grundpreis von 14.330 Euro für den Fünftürer und 16.345 Euro für den Kombi ebenso serienmäßig wie die Zentralverriegelung, die elektrischen Fensterheber und der Bordcomputer sowie die Musikanlage samt iPod-Anschluss und USB-Buchse. Innovative Systeme wie etwa eine Einparkhilfe, die beispielsweise für den VW Golf verfügbar ist, oder der Totwinkel-Assistent, den es für den Mazda 3 gibt, sucht man allerdings vergeben.
Optimierte Motoren und Leichtlaufreifen für alle Modelle
Weil Sparsamkeit auch für Kia ein Gebot der Stunde ist, wurden alle Motoren noch einmal optimiert und sämtliche Modelle erhalten ab sofort neue Leichtlaufreifen. Bei den drei Benzinern mit unveränderten Leistungswerten von 109 bis 143 PS und dem Zweiliter-Diesel mit 140 PS ändert sich der Verbrauch dadurch allerdings nur marginal. Interessanter ist ein nagelneuer Selbstzünder mit 1,6 Litern Hubraum, den Kia ebenfalls in der Slowakei baut.
Die Maschine wird - wie das Vorgänger-Aggregat - mit 90 oder 115 PS angeboten, läuft aber deutlich ruhiger und ist deutlich sparsamer. Außerdem kann man für 300 Euro Aufpreis auch eine Start-Stopp-Automatik bestellen und den Verbrauch so noch einmal drücken. Die 115-PS-Version ist dann im Fünftürer mit 4,4 Litern im Schnitt zufrieden und die 90 PS-Variante steht mit lediglich 4,2 Litern im Datenblatt. Und CO2-Werte von 115 und 110 Gramm sind seit der Reform der Kfz-Steuer kein schlechtes Argument: Damit geht der Finanzminister bis 2011 leer aus.
Neu, sparsam aber auch etwas träge ist der neue Dieselmotor
Gerade in der Diesel-Basisversion allerdings triumphiert die Sparfreude über die Fahrfreude. Selbst wenn der Selbstzünder auf 255 Nm kommt, braucht er bis Tempo 100 zähe 14 Sekunden und muss schon bei 172 km/h die linke Spur räumen. Einen sehr ordentlichen Eindruck macht dagegen das ebenfalls neue Sechsgang-Schaltgetriebe, das auch den Benzinern gut zu Gesicht gestanden hätte. Dort bleibt es leider bei fünf Fahrstufen und dem lästigen Dröhnen, wenn man auf der Autobahn mal über Tempo 130 kommt.
Dabei waren fürs das Facelift neben Designern und Motorenentwicklern auch einige Experten in Sachen Fahrkultur an der Arbeit. Das Fahrwerk wirkt deshalb jetzt etwas bestimmter, die neu programmierte, elektrische Servolenkung arbeitet präziser und die bessere Geräuschdämmung packt die Passagiere beinahe in Watte - zumindest wenn es nicht Richtung Höchstgeschwindigkeit geht.
Unter dem Strich findet der Cee'd auch nach dem Facelift in Autos wie dem aktuellen VW Golf oder dem kommenden Opel Astra seine Meister. Doch in der Importwertung fährt das Modell aus Korea jetzt noch weiter vor. Ganz sicher: Den Cee'd werden die Konkurrenten nicht noch einmal belächeln.