Die Welt verstehen: Stars aus der Traumfabrik - DER SPIEGEL
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Die Welt verstehen Stars aus der Traumfabrik

Mal Mist bauen, was Verbotenes tun, sich mit den Eltern verkrachen - macht eigentlich jeder mal und kann sogar Spaß bringen. Miley Cyrus aber muss brav sein. Wie auch andere Jungstars, die für die Firma Disney ordentlich Geld verdienen.
Von Antje Helms
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?
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Die Traumfabrik: Disney's brave Stars

Foto: JASON REED/ REUTERS

Wie cool wäre es für Miley Cyrus, wenn sie nur als Hannah Montana berühmt wäre. Wenn sie tatsächlich ein Doppelleben hätte - wie im Film. Dann könnte sie so leben, wie es sich viele einmal wünschen: mal als Star im Blitzlichtgewitter der Kameras stehen, in lässigen Klamotten über den roten Teppich laufen oder Tausende Liebesbriefe erhalten. Und dann wieder als ganz normales Mädchen unbeobachtet shoppen gehen, ohne Bodyguard zur Freundin radeln oder sich mal danebenbenehmen, beispielsweise die Schule schwänzen - ohne dass gleich die ganze Welt darüber spricht.

Aber so etwas funktioniert wohl nur im Kino. Und selbst da ist das Doppelleben nicht einfach: In "Hannah Montana - Der Film" springt Miley Cyrus zwischen den Rollen hin und her, bis es ihr und ihrer Familie zu bunt wird.

Im richtigen Leben hat die 16-Jährige nicht die Wahl: Auszuflippen wie Hannah im Film, als sie sich mit Ex-Topmodel Tyra Banks um ein paar Schuhe kloppt - das wäre im wirklichen Leben ein Skandal für Miley. Sofort würden Fotografen zur Stelle sein. Ihre zerzausten Haare, ihr wütendes Gesicht, die Schramme an der Wange - alles würde innerhalb von Minuten im Internet verbreitet werden.

Miley muss brav sein. Genauso wie die Jonas Brothers oder die Stars aus "High School Musical". Sie alle arbeiten für die Firma Disney, Miley bereits seit sie zwölf ist. Die Jonas Brothers sind gerade mit ihrem Konzertfilm in den Kinos. Sie gelten als nette Jungs, und da wäre es nicht gut, wenn sie sich jetzt danebenbenehmen würden. Als von einem Mädchen aus "High School Musical" einmal Nacktbilder im Internet auftauchten, überlegte Disney sogar, ob der Star in der Fortsetzung überhaupt noch mitspielen darf.

Wirbel um einen nackten Rücken

Auch Miley Cyrus hat einen kleinen Skandal schon hinter sich - das fanden zumindest tausende Eltern und die Firma Disney. Der Grund: Miley hatte sich für eine amerikanische Zeitschrift mit nacktem Rücken fotografieren lassen. Viele fanden das Foto hübsch, Miley auch. Aber sie war da erst 15, und so etwas machen eigentlich nur Erwachsene. Außerdem wurde sie dafür bezahlt - und nackte Haut Millionen Menschen zu zeigen, um dafür Geld zu bekommen, das sollten Jugendliche und Kinder nicht tun. Zumindest finden das viele Erwachsene. Viele von ihnen beschwerten sich im Internet über Miley. Weil Miley für ihre Kinder ein Vorbild sein soll. Disney bedauerte, dass es zu dem Foto gekommen war - und hatte Angst, dass die verärgerten Eltern das Monats-Abo für den Bezahlsender Disney Channel kündigen würden. Das Unternehmen warf der Zeitschrift sogar vor, sie habe Miley zu den Fotos überredet - denn mit Miley auf der ersten Seite könne man schließlich besonders viele Zeitschriften verkaufen.

Ob Miley wirklich überredet werden musste, ist zweifelhaft. Was wahr ist: Mit Miley und den Jonas Brothers kann man ganz viel verkaufen: Filme, Konzerttickets, CDs, DVDs, T-Shirts, Schulranzen, Parfum und noch viel mehr. "Die Jugendlichen interessieren uns nicht mehr nur als Fernsehzuschauer, heute verwandeln wir sie in begeisterte Fans", sagt Disney-Manager John Hardie dazu. Und die Fans sollen möglichst viel kaufen.

"Die echte Miley soll so sein wie die im Film"

Sein Unternehmen hat mit "Hannah Montana" im letzten Jahr rund eine Milliarde Dollar eingenommen. Der Film über die Konzerttour "Best of Both Worlds" spielte in den Kinos allein am Startwochenende 31 Millionen Dollar ein. Kein Wunder, dass sich Miley dann anständig benehmen soll: "Ich entschuldige mich bei allen meinen Fans, die mir wirklich sehr viel bedeuten", sagte sie wenig später nach dem Wirbel um die Fotos, um ihre Fans, deren Eltern und ihre Firma zu beruhigen.

Hollywood

Weiteren Ärger bekam Miley, als sie sich auf einer DVD unangeschnallt im Auto zeigte. Doch wenn Miley begeistert von ihrem Vater spricht oder sagt, dass es ihr auf ihrer Ranch besser gefalle als in , dann sind die meisten Eltern beruhigt - und Disney auch.

Auf der Ranch ist sie allerdings nur noch selten. Schließlich zog die ganze Familie nach Los Angeles, als Miley mit zwölf die Rolle der Hannah bekam. Miley geht nicht in eine normale Schule. Disney bezahlt Privatlehrer und Kinderpsychologen, die ihr beibringen, wie wichtig Familie, Glaube und Freundlichkeit sind. Disney bestimmt, wie viele Konzerte Miley im Jahr gibt, mit wem Miley spricht, für wen Miley Werbung macht. Und Disney bestimmt, dass Miley keinen Jungen küssen darf. Doch sie wird bald 17.

"Die echte Miley soll so sein wie die im Film", verkündet Disney ganz offen. Im wahren Leben lässt sie immer mehr durchblicken, wie anstrengend es ist, die größte Einnahmequelle einer so riesigen Firma zu sein. In einem SPIEGEL-Interview sagte sie: "Es ist hart zu wissen, dass Millionen Menschen mich täglich beobachten. Ich muss mir jeden Tag klarmachen, dass ich ein guter Mensch sein will."