Erste Hilfe Karriere: So macht Scheitern erst richtig Spaß - DER SPIEGEL
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Erste Hilfe Karriere: Scheitern als Glücksfall

Foto: Cornelius Kalk

Erste Hilfe Karriere So macht Scheitern erst richtig Spaß

Viele ertragen lieber einen erbärmlichen Job, als sich eine Aufgabe zu suchen, die sie wirklich mögen. Ein zünftiges Scheitern wirkt da wahre Wunder und macht den Kopf frei für die schönen Seiten der Arbeitswelt. Berufsberaterin Uta Glaubitz verrät, wie's geht.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Im Beruf bevorzugt der Mensch immer den Status Quo - so erbärmlich der auch sein mag. Man klebt am Job, selbst wenn die Arbeit mickrig bezahlt ist und so viel Freude macht wie eine Wurzelbehandlung.

Also: Man müsste den Job wechseln. Eigentlich.

Damit daraus doch noch etwas wird, haben die Götter die Möglichkeit des Scheiterns geschaffen. Wer sich nicht freiwillig bewegt, den schubst das Schicksal manchmal.

Aufbruch nach dem Rauswurf

Zum Beispiel durch eine Bankenkrise: Als der Arbeitsplatz des Lehman-Investment-Bankers Carlo Del Mistro 2008 plötzlich verschwand, stürzte er sich in den Aufbau einer eigenen Eismanufaktur in London. Sein Eis verkauft sich heute für knapp drei Pfund pro Kugel.

Oder Brad Estabrooke, der seinen Job als Bond Trader der Deutschen Bank in Manhattan verlor und danach die erste Ginbrennerei in Brooklyn seit Ende der Prohibition eröffnete.

Schicke Ideen für junge Männer im Saft, werden Sie jetzt vielleicht denken. Außerdem ist Estabrooke Amerikaner, und für die gelten bekanntlich andere Maßstäbe.

Wenden wir uns also dem deutschen Normalbürger zu. Auch für ihn gibt es zahlreiche Möglichkeiten, schöner zu scheitern. Die Hamburger Wirtschaftsinformatikerin Maike Brunk musste mit 35 Jahren erst in hohem Bogen aus ihrem Softwarehaus fliegen, in dem sie neun Jahre als Vertriebskraft gearbeitet hatte.

Vom Scanner an die Weinbauschule

Dann begann sie, alternative Touren durch den Hamburger Hafen zu veranstalten, also zum Beispiel einen Sektempfang am alten Elbtunnel mit Panoramablick über die City, danach eine Doppeldeckerbustour zu den Containerterminals und zum kleinsten Hamburger Leuchtturm mit einer abschließenden Barkassenfahrt durch den Hafen. Hätte ihr Chef ihr nicht gekündigt - sie würde heute noch Ausschreibungsunterlagen für Dokumentenmanagementprogramme ausfüllen.

Oder Martina Weindl. Sie leitete die Produktion eines Fotolabors in Bad Schwartau an der Ostsee. Durch den Siegeszug der Digitalfotografie wurde das, was sie leistet, allmählich überflüssig. Doch statt sich die Wunden zu lecken, studierte sie mit 40 Jahren noch einmal Weinmarketing und organisiert heute Seminare an der Weinbauschule Geisenheim im Rheingau. Hätte ihr Labor nicht geschlossen, Martina Weindl würde heute Fotoalben einscannen.

Am schönsten scheitert man, indem man danach den Beruf wechselt und das macht, was man längst hätte tut sollen. Für diese Variante gilt der folgende Zehn-Schritte-Plan.

Sie werden schon sehen: Schöner Scheitern ist gar nicht so schwierig.