Arbeitgeber-Wettbewerbe Der Club der Gewinner
Wer einen attraktiven Arbeitgeber sucht, sollte sich bei der Altenhilfe St. Gereon in Hückelhoven-Brachelen bewerben. Das zumindest legt der Wettbewerb "Great Place to Work" nahe. Er bescheinigt dem Seniorenheim, einer der 100 besten Arbeitgeber Deutschlands zu sein.
Traumarbeitsplatz trotz Pflegenotstand und traditionell schlechter Bezahlung in der Altenhilfe? Um so eine Auszeichnung zu verstehen, muss man wissen, wie Arbeitgeberwettbewerbe funktionieren.
Die Methode der Wettbewerbe ist das so genannte Benchmarking: Verschiedene Unternehmen einer Größenkategorie oder einer Branche werden einander gegenübergestellt. Dabei erfassen und vergleichen die prüfenden Institute verschiedene Aspekte wie zum Beispiel Jobsicherheit, Vergütung oder Unternehmenskultur. Entspricht die Bewertung im Audit den jeweiligen Anforderungen eines Wettbewerbs, erhalten die Firmen ein Gütesiegel.
Übersicht: Die größten Arbeitgeber-Wettbewerbe
Die Ergebnisse sind in erster Linie für die Personalabteilungen gedacht. Sie lernen durch den Vergleich mit der Konkurrenz, wie sie die eigene Arbeit noch verbessern können. Nach außen nutzen die Firmen ihre Auszeichnung außerdem, um für sich als Arbeitgeber zu werben. Für Jobsuchende, die sich an den Studien orientieren wollen, sind die Ergebnisse schwierig zu bewerten.
Wer zahlt, ist dabei
Fast alle Wettbewerbe sind kommerziell. Das heißt: Nur wer zahlt, ist dabei. Für die Anbieter ist das leicht zu rechtfertigen: Sie erbringen für die Firmen eine Serviceleistung von der Auditierung über die Beratung bis zur Pressearbeit und lassen sich diese bezahlen. Zwischen 3000 und 14.000 Euro müssen die Teilnehmer berappen.
Für die Ergebnisse kann das zweierlei bedeuten. Variante eins: Es gehen nur die Unternehmen ins Rennen, die es nötig haben. Größen wie Audi, Siemens oder Google, die in repräsentativen Befragungen von Hochschulabsolventen ohnehin als interessanteste Arbeitgeber angegeben werden, haben es nicht nötig, mit einem Wettbewerb für sich zu werben. Die 100 Besten sind also die, die sich im Mittelmaß hervorgetan haben.
Variante zwei: Nur wer überzeugt ist, dass er etwas zu bieten hat, investiert das Geld für das Audit. Arbeitgeberwettbewerbe fördern somit die stillen Stars, die nicht wahrgenommen werden. Hier ist allerdings bedenken, dass bei Teilnehmerzahlen zwischen 50 und knapp 300 Unternehmen IT-Consultants gegen soziale Träger antreten. Die Vergleichbarkeit der Daten kann man also in Frage stellen.
Alle rücken vor
Transparenz ist nicht gerade eine Stärke der Arbeitgeberwettbewerbe. So werden zwar fast immer die Top 100 ausgezeichnet, aber nur bei den ersten drei oder ersten fünf einer Konkurrenz ist die Platzierung zu erkennen. Der Rest behält seine Bewertung für sich. Das ergibt aus Unternehmenssicht durchaus Sinn, denn schließlich geht es um Eigenwerbung, in Fachkreisen Employer Branding genannt. Jeder Sieger darf sich mit dem Qualitätssiegel schmücken, es auf die eigene Homepage stellen oder auf Plakate für Karrieremessen drucken. Wer im hinteren Feld mitläuft, hat kein Interesse daran, dass dies erkennbar ist. Außerdem behalten die meisten Prüfinstitute für sich, wie viele Teilnehmer eine Konkurrenz insgesamt hatte.
Bei "Great Place to Work", dem größten deutschen Wettbewerb, waren es 2011 immerhin 290 Bewerber, somit wurde im Schnitt jeder Dritte zertifiziert. Beim "Top Arbeitgeber"-Wettbewerb hingegen bekamen in den Jahren 2010 und 2011 alle 93 oder 101 Teilnehmer das Zertifikat. Das kann für das hohe Niveau der Bewerbungen sprechen, lässt aber eher Zweifel an der Methode aufkommen.
Fast alle Wettbewerbe nehmen für sich in Anspruch, die besten 100 Arbeitgeber Deutschlands zu küren und kommen jeweils zu unterschiedlichen Ergebnissen. Das liegt zum Teil daran, dass die zahlenden Teilnehmer sich meist nur für eine Ausscheidung bewerben, also zwangsläufig nicht auf zwei Siegerlisten auftauchen.
Viele Wege zum Erfolg
Zudem liegt es an den unterschiedlichen Kriterien, die bei den Wettbewerben eine Rolle spielen. Während "Great Place to Work" eher die weichen Wohlfühlfaktoren wie Vertrauensindex und Unternehmenskultur abfragt, erfasst der "BestPers Award" handfeste Größen wie Entlohnung, Computerisierung oder Nachhaltigkeit. Diese Kriterienkataloge sind für Jobsuchende das eigentlich Informative an den Wettbewerben.
Was ist mir wichtiger? Entwicklungsmöglichkeiten und Gehalt oder Familienfreundlichkeit und Work-Life-Balance? Auf der Homepage von "Top Job" zum Beispiel kann man gezielt nach Arbeitgebern suchen, die in einzelnen Kategorien gut abgeschnitten haben. Je nach persönlichem Schwerpunkt kann die Altenhilfe St. Gereon dann eben doch mit Google oder Audi mithalten.
Great Place to Work - Arbeitgeber-Wettbewerbe im Überblick
"Great Place to Work": Vorbild für andere Arbeitgeberwettbewerbe
Der weltweit größte und bekannteste Arbeitgeberwettbewerb ist Great Place to Work und stammt aus den USA. Inzwischen hat das Great Place to Work-Institute Partnerbüros in 40 Ländern. Für die Auswertungen "Deutschlands Beste Arbeitgeber" und "Beste Arbeitgeber im Gesundheitswesen" ist die GPW Deutschland GmbH mit Sitz in Köln zuständig. Bewertet werden Unternehmen ab 20 Mitarbeitern, die in vier verschiedenen Größenkategorien antreten. Die Platzierung eines Unternehmens basiert zu zwei Dritteln auf dem so genannten Vertrauensindex, zu einem Drittel auf einem Kultur-Audit.
Der Index entsteht durch eine Online-Befragung der Mitarbeiter, die ihre Meinung zu Glaubwürdigkeit, Respekt, Fairness, Stolz und Teamorientierung in der Firma äußern können. Der zweite Teil der Analyse richtet sich an das Management. Es macht Angaben zu personalwirtschaftlichen Kennzahlen und kann die Unternehmenskultur darstellen. 290 Firmen nahmen 2011 teil, 100 wurden ausgezeichnet. Das Audit kostet je nach Firmengröße und gewünschtem Leistungsumfang zwischen 4900 und 17.000 Euro.
Top Job Arbeitgeber - Spezialität mittelständische Firmen
"Top Job": Zuständig für den Mittelstand, wirbt mit Wolfgang Clement
Der Wettbewerb Top Job will die besten 100 Arbeitgeber im Mittelstand ausmachen, also Unternehmen von 20 bis 5000 Mitarbeitern. 2011 haben sich 169 Unternehmen beworben. Sie zahlten 3900 und 6200 Euro um zu erfahren, wie sie in den Bereichen Führung und Wissen, Motivation und Dynamik, Kultur und Kommunikation, Mitarbeiterentwicklung und Perspektive, Familienorientierung und Demografie sowie Internes Unternehmertum dastehen.
Zu diesem Zweck werden im ersten Schritt die Mitarbeiter online nach ihrer Meinung gefragt, im zweiten Schritt die Personaler interviewt. Um die Auswertung der Daten kümmert sich das Institut für Personalmanagement der Universität Sankt Gallen. Beratung, PR- und Management-Unterstützung der Zertifizierten übernimmt die compamedia GmbH in Überlingen. Für diese Dienstleistung werden weitere 4500 Euro fällig.
Kostenlose Teilnahme und Vorauslese - BestPers Award
"BestPers Award": Kunstwort als Name und mit Vorauswahl aussichtsreicher kandidaten
Das Institut für Managementkompetenz an der Universität Saarbrücken kürt mit dem "BestPers Award" alle zwei Jahre mittelständische Unternehmen. Maximal 50 Firmen können am Wettbewerb teilnehmen und zahlen dafür nichts. Ob sich der Aufwand eines Audits für sie lohnt, wird schon im Vorfeld in persönlichen Gesprächen geklärt. Die teilnehmenden Personalverantwortlichen müssen dann einen Fragebogen ausfüllen.
Aus ihren Antworten werden die Qualitäten der Firma in den Bereichen Strategie und Vision, Personalbeschaffung, Personalentwicklung, Entlohnung, Computerisierung, Führung und Kommunikation, Human Capital Management, Diversity, Familienfreundlichkeit, Nachhaltigkeit. In allen Sparten wird ein Sieger prämiert, außerdem gibt es drei Sieger in der Gesamtwertung. Aufgrund der Vorauslese erhält der Großteil der Wettbewerbsteilnehmer auch ein Zertifikat.
Fragebogen und Interview - Top Arbeitgeber
"Top Arbeitgeber": Alle Teilnehmer auf dem Siegertreppchen
"Top Arbeitgeber" nennt das Kölner CRF-Institut um die 100 Unternehmen, die es als "Top-Performer in den Bereichen Personalführung und -strategie" identifiziert hat. Bewerber können am Gesamtwettbewerb "Top Arbeitgeber" oder den Spartenwettbewerben im Bereich Ingenieure oder Automotive teilnehmen. Dafür zahlen sie einen Paketpreis zwischen 8500 und 11.000 Euro. Für ihre Bewertung füllen die Unternehmen einen Fragebogen aus, der die Arbeitssituation im Haus abbilden soll. Außerdem benennen sie drei Interviewpartner aus der Personalabteilung, der Führungsebene und dem Juniormanagement, die für Gespräche zur Verfügung stehen.
Aus der Zusammenschau von Fragebogen und persönlichen Interviews entsteht dann ein Ranking in sechs Kategorien: Entwicklungsmöglichkeiten, Jobsicherheit, Marktposition und Image, Unternehmenskultur, Vergütung und nicht zuletzt Work-Life-Balance. Von 101 teilnehmenden Unternehmen erhielten im Jahr 2011 alle das Top-Arbeitgeber-Siegel.
100 Top-Arbeitgeber - Umfrage bei Hochschulabsolventen - Deutschlands
"Deutschlands 100 Top-Arbeitgeber": Wo wollen die Studenten hin?
"Deutschlands 100 Top-Arbeitgeber" ist eine Image-Studie, die häufig mit einem Arbeitgeberwettbewerb verwechselt wird. Hier geht es nicht um ein Audit oder Gütesiegel, sondern nur um eine Messung der Beliebtheit und des Bekanntheitsgrades der Unternehmen. Medienpartner ist das manager magazin, das über die Ergebnisse exklusiv berichtet.
Befragt werden deshalb auch nicht die Mitarbeiter, sondern die für Personaler besonders interessante Zielgruppe der jungen Hochschulabsolventen. Sie werden gebeten, auf einer Liste anzukreuzen, welche Firmen sie am interessantesten finden. Das Ranking entsteht als Nebenprodukt des Absolventen-Barometers, das das Berliner Trendence-Institut jedes Jahr erstellt.