Uni, FH oder Ausbildung - welche Fächer bringen die höchsten Löhne? - DER SPIEGEL
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Top 5, Flop 5: Fächer und ihre späteren Stundenlöhne

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Stundenlöhne Buchhalter schlagen Bauingenieure, Zahnärzte toppen alle

Ginge es bei der Berufswahl nur um den späteren Stundenlohn, müssten alle Zahnmedizin studieren. Oder einen der Ausbildungsberufe ergreifen, die besonders gut bezahlt werden.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Studieren oder doch lieber eine Ausbildung? Diese Frage stellt sich derzeit Tausenden Abiturienten. Die Entscheidung fällt vielen schwer. Liegt einem die Büffelei an der Uni, oder darf es im Lehr- und Arbeitsalltag etwas handfester zugehen?

Ein weiteres wichtiges Entscheidungskriterium hat nun das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in einer Studie  unter die Lupe genommen: das Geld. Unter der Überschrift "Uni, Fachhochschule oder Ausbildung - welche Fächer bringen die höchsten Löhne?" haben die Wissenschaftlerinnen Daniela Glocker und Johanna Storck untersucht, in welchen Studien- und Lehrbereichen später die höchsten Löhne erzielt werden. Dabei geht es nicht um aktuelle Tariflöhne, sondern um den durchschnittlichen Stundenlohn jeweils eines ganzen Berufslebens.

Das Ergebnis erscheint zunächst erwartbar:

  • Fast durchgehend werden mit einem Universitätsabschluss höhere Löhne erzielt.
  • Zahnmediziner bekommen die höchsten Stundenlöhne, gefolgt von Medizinern, Betriebswirten und Juristen.
  • Sozialarbeiter verdienen am schlechtesten, Krankenpflegern geht es kaum besser.

Doch im Dickicht der Zahlen finden sich einige Überraschungen. So liegt der Stundenlohn von Absolventen eines Architekturstudiums erstaunlich niedrig - vermutlich, weil viele von ihnen in fachfremden Bereichen oder in unsicheren Beschäftigungsverhältnissen arbeiten. Und Musiker liegen im Mittelfeld, trotz allen Klischees von der brotlosen Kunst und trotz der großen Unsicherheit, die ihr Berufsleben tatsächlich oft mit sich bringt (weitere Einzelergebnisse in der Tabelle unten).

Vom Berufseinstieg bis zur Rente

Bei der Untersuchung wurden Gehaltsangaben von rund 190.000 Personen aus dem Mikrozensus verglichen. Die Befragten hatten ihr Nettoeinkommen und ihre Berufsausbildung angegeben - viele von ihnen dürften in einem anderen Bereich arbeiten, als es für ihre Ausbildung ursprünglich vorgesehen ist. Mit weiteren Daten aus der Umfrage stellten die Forscherinnen sicher, dass die Werte nicht durch Faktoren wie Teilzeitarbeit verzerrt werden.

Die längere Ausbildung an einer Hochschule führt dazu, dass die Absolventen weniger Jahre Zeit haben, im Beruf Geld zu verdienen; auch das ist in den Vergleichszahlen berücksichtigt. Der ermittelte Schätzwert ist der Stundenlohn im Durchschnitt des gesamten Erwerbslebens, vom Berufseinstieg bis zur Rente.

Trotz der kürzeren Verdienstdauer liegen die meisten Uni-Laufbahnen bei diesem Stundenlohn vorn. Besonders groß ist der Unterschied in der Feinmechanik, dem Maschinenbau oder dem Hoch- und Tiefbau, wo man mit Uni-Zeugnis deutlich mehr verdient als die Fachkollegen ohne. Die Uni-Dominanz brechen lediglich Versicherungskaufleute, Logistiker und Buchhalter: Sie kommen mit einer betrieblichen Ausbildung auf relativ hohe Stundenlöhne und überflügeln dabei akademische Bauingenieure und Geisteswissenschaftler.

Keine MINT-Lücke

Die viel zitierte Fachkräftelücke in den technischen Berufen (sogenannte MINT-Fächer) sieht das DIW mit der Studie nicht bestätigt. Die Löhne in diesen Fächern liegen nicht besonders hoch, was zumindest für die Zeit der Umfrage - die Daten sind von 2008 - nicht auf einen echten Mangel an Spezialisten deutet.

Die Übersicht verdeutlicht auch, wie extrem die Löhne teilweise bei Männern und Frauen auseinanderklaffen, die die selbe Ausbildung haben. Überall verdienen Frauen spürbar weniger, wahrscheinlich, weil sich Erziehungszeiten negativ auf Beförderungen und damit die Lohnhöhe auswirken - auch das spiegelt sich dann im durchschnittlichen Stundenlohn wieder. Zum Teil ergeben sich für sie deshalb andere Schlussfolgerungen. So ist etwa ein Lehramtsstudium für Frauen im Vergleich lukrativer als für Männer.

Stundenlöhne Männer/Frauen nach Berufsabschluss

Männer Frauen
Rang Fach Abschluss Netto-
stunden-
lohn in EUR
Fach Abschluss Netto-
stunden-
lohn in EUR
1 Zahnmedizin Uni 19,33 Zahnmedizin Uni 15,5
2 Medizin Uni 17,77 Medizin Uni 13,36
3 Betriebswirt-
schaftslehre
Uni 16,58 Jura Uni 12,55
4 Jura Uni 15,86 Lehramt Uni 11,51
5 Industrial Engineering Uni 15 Verwaltungs-
wissenschaften
FH 10,8
6 Volkswirt-
schaftslehre
Uni 14,57 Psychologie Uni 10,7
7 Industrial Engineering FH 14,27 Finanzen und Versicherung FH 10,29
8 Betriebswirt-
schaftslehre
FH 14,14 Betriebswirt-
schaftslehre
Uni 10
9 Informatik Uni 14,06 Biologie Uni 9,95
10 Chemie Uni 14,01 Anglistik Uni 9,81
11 Finanzen und Versicherungen FH 13,85 Mathematik Uni 9,81
12 Maschinenbau Uni 13,81 Computer-
technik
betriebliche Ausbildung 9,7
13 Versorgungs-
technik
Uni 13,75 Germanistik Uni 9,63
14 Mathematik Uni 13,71 Erziehungs-
wissenschaften
Uni 9,6
15 Physik Uni 13,7 Chemie Uni 9,59
16 Chemieingenieur-
wesen
FH 13,5 Marketing und Werbung betriebliche Ausbildung 9,54
17 Verwaltungs-
wissenschaften
FH 13,36 Politik-
wissenschaft
Uni 9,52
18 Maschinenbau FH 13,28 Betriebswirt-
schaftslehre
FH 9,43
19 Psychologie Uni 13,01 Volkswirt-
schaftslehre
Uni 9,41
20 Elektroingenieur FH 12,91 Informatik Uni 9,32
21 Informatik FH 12,81 Informatik FH 9,29
22 Chemieingenieur-
wesen
Uni 12,77 Maschinenbau Uni 9,22
23 Elektroingenieur Uni 12,7 Musik Uni 9,16
24 Versorgungs-
technik
FH 12,62 Chemieingenieur-
wesen
Uni 9,15
25 Biologie Uni 12,53 Geologie Uni 9,06
26 Finanzen und Versicherung betriebliche Ausbildung 12,41 Öffentliche Sicherheit betriebliche Ausbildung 8,91
27 Feinmechanik FH 12,33 Geschichte Uni 8,9
28 Lehramt Uni 12,19 Medizin betriebliche Ausbildung 8,81
29 Transport betriebliche Ausbildung 12,18 Finanzen und Versicherung betriebliche Ausbildung 8,74
30 Rechnungswesen betriebliche Ausbildung 12,16 Architektur Uni 8,72
31 Mathematik FH 12,02 Anglistik betriebliche Ausbildung 8,72
32 Bauingenieur Uni 11,89 Sozialarbeit FH 8,71
33 Betriebs-
wirtschaft
betriebliche Ausbildung 11,54 Verkehrsingenieur-
wesen
betriebliche Ausbildung 8,69
34 Architektur Uni 11,45 Regional-
forschung
Uni 8,44
35 Betriebs-
wirtschaft
betriebliche Ausbildung 11,36 Erziehungs-
wissenschaft
FH 8,4
36 Öffentliche Sicherheit betriebliche Ausbildung 11,25 Betriebs-
wirtschaft
betriebliche Ausbildung 8,3
37 Erziehungs-
wissenschaft
Uni 11,14 Chemie betriebliche Ausbildung 8,2
38 Politik-
wissenschaft
Uni 11,09 Sozialarbeit Uni 8,1
39 Chemie betriebliche Ausbildung 11,07 Rechnungswesen betriebliche Ausbildung 8,03
40 Marketing und Werbung betriebliche Ausbildung 10,99 Chemielaborant betriebliche Ausbildung 7,97
41 Germanistik Uni 10,97 Betriebs-
wirtschaft
betriebliche Ausbildung 7,81
42 Geologie Uni 10,9 Krankenpflege betriebliche Ausbildung 7,81
43 Büroassistenz betriebliche Ausbildung 10,82 Sozialarbeit betriebliche Ausbildung 7,8
44 Handelslogistik betriebliche Ausbildung 10,82 Medien betriebliche Ausbildung 7,79
45 Fertigungs-
technik
betriebliche Ausbildung 10,81 Maschinenbau FH 7,78
46 Musik Uni 10,8 Mathematik FH 7,72
47 Bauingenieur-
wesen
FH 10,75 Bauingenieur-
wesen
Uni 7,72
48 Computer-
technik
betriebliche Ausbildung 10,6 Transport betriebliche Ausbildung 7,61
49 Architektur FH 10,57 Hotel/
Restaurant
betriebliche Ausbildung 7,54
50 Regional-
forschung
Uni 10,41 Elektrik betriebliche Ausbildung 7,53
51 Geschichte Uni 10,39 Erzieherin betriebliche Ausbildung 7,5
52 Elektrik betriebliche Ausbildung 9,93 Büroassistenz betriebliche Ausbildung 7,45
53 Chemielaborant betriebliche Ausbildung 9,81 Fertigungs-
technik
betriebliche Ausbildung 7,37
54 Feinmechanik betriebliche Ausbildung 9,79 Tourismus betriebliche Ausbildung 7,36
55 Erziehung betriebliche Ausbildung 9,71 Erziehung betriebliche Ausbildung 7,3
56 Versorgungs-
technik
betriebliche Ausbildung 9,55 Medizinische Assistenz betriebliche Ausbildung 7,3
57 Sozialarbeit FH 9,41 Handelslogistik betriebliche Ausbildung 7,25
58 Dentist betriebliche Ausbildung 9,4 Bautechnik betriebliche Ausbildung 7,14
59 Textil-
verarbeitung
betriebliche Ausbildung 9,37 Bauingenieur-
wesen
FH 7,1
60 Tourismus betriebliche Ausbildung 9,34 Versorgungs-
technik
betriebliche Ausbildung 6,78
61 Medizinische Assistenz betriebliche Ausbildung 9,27 Architektur FH 6,71
62 Transporttechnik betriebliche Ausbildung 9,03 Dentist betriebliche Ausbildung 6,59
63 Hotel/
Restaurant
betriebliche Ausbildung 8,96 Feinmechanik betriebliche Ausbildung 6,53
64 Socialarbeit Uni 8,9 Textil-
verarbeitung
betriebliche Ausbildung 5,99
65 Medien betriebliche Ausbildung 8,72 Beauty betriebliche Ausbildung 5,55
66 Beauty betriebliche Ausbildung 8,47
67 Krankenpflege betriebliche Ausbildung 8,36
68 Bautechnik betriebliche Ausbildung 8,17
69 Sozialarbeit betriebliche Ausbildung 8,16
Quelle: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Fehlende Fächer bei den Frauen haben statistische Gründe (Fallzahl o. ä.).

Matthias Kaufmann (Jahrgang 1974) ist Redakteur von KarriereSPIEGEL und manager magazin online.

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